Anstrengende Abendstunden

Wenn die Eltern eine Pause brauchen

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Ich glaube, das kennen wir alle. Die Zeit, die wir in unseren Köpfen als „Feierabend“ definiert haben, ist längst rum – und wir schieben Überstunden. Überstunden am Kinderbett. Weil die Kinder noch Durst haben, Hunger, Angst vor Monstern oder einfach nicht allein sein wollen. Weil sie weinen, ohne das wir den Grund wirklich erkennen können. Weil sie uns immer wieder rufen oder alle paar Minuten im Wohnzimmer stehen, um uns zu sagen, dass sie nicht einschlafen können. Manchmal geben wir uns der Phantasie hin, diese Zeit sei vorbei, weil sie schon fünf sind oder sieben – oder zehn – und weil es vielleicht mal ein paar Monate lang nicht so war. Doch dann kommt es wieder. Manchmal für uns aus heiterem Himmel. Wir verstehen nicht, warum sie uns auf einmal wieder brauchen, während sie tagsüber doch so selbstbewusst ihre Wege gehen. Vielleicht ist das aber, genau das, der Grund, warum sie sich abends auf einmal wieder nach Nähe sehnen. Nach einer Hand, die ihnen übers Haar streichelt und flüstert, dass alles gut wird. Nach einem Arm, in den sie die unverarbeiteten Erlebnisse des Tages weinen können. Nach einem Ohr, das zuhört, wenn plötzlich alles aus ihnen heraus bricht, was sie tagelang nicht erzählen wollten. Manchmal ist es auch subtiler. Es scheint keinen Grund zu geben. Sie haben nichts zu erzählen, nichts zu beweinen und suchen dennoch unsere Nähe. Wollen unsere warmen und Sicherheit gebenden Körper neben sich beim Einschlafen. Wollen, dass wir ihre Hände halten oder kommen einfach immer wieder runter, um uns zu sehen und sich zu vergewissern, dass wir noch da sind und ihre Welt noch steht. Weiterlesen

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Freitagspizza am 16.12.2016

Hach. Was soll ich euch erzählen? Diese Woche war voller Alltag. Nach der letzten Woche eine reine Freude. So haben wir einfach Dinge erledigt, Termine wahrgenommen und sind ein Stück weiter Richtung Weihnachten gegangen.

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Müdigkeit und Erschöpfung begleiten mich schon seit Montag. Aber nicht nur die – auch ein Satz, der mir aufs Herz gelegt wurde. Ein kurzer Satz, auf den ersten Blick irgendwie nicht mal besonders erheiternd. Und auf den zweiten Blick wunderbar. Adventszeit ist Fastenzeit. Der Satz erleichtert mir gerade enorm zu akzeptieren, dass die Plätzchendosen leer sind und der Adventsschmuck noch immer nicht fertig. Schön sein, das muss es erst an Weihnachten. Da darf ich genießen und zur Ruhe kommen. Vorher darf es anstrengend sein – und alltäglich. Und Weihnachten – das dauert lange, je nach Tradition bis in den Februar rein. Mindestens aber bis zum 6. Januar. Ist das nicht prima und entspannend? Es ist nicht so, dass ich das diese Woche zum ersten Mal gehört hätte. Aber zum ersten Mal arbeitet es in mir und ich überlege, was ich damit machen kann. Ich frage mich, wie ich dieses Wissen für uns umsetzen kann, sodass wir diese Jahreszeit noch stärker entschlacken und bedürfnisorientierter für uns alle gestalten können.

Pizza gibt es heute auch. Wildschweinschinken und Ziegenkäse liegen bereit und ich bin gespannt, wie es schmecken wird.

Ich wünsche Euch einen schönen 4. Advent.

Advent mit Kindern – auf dem Weg sein

Mit Kindern ist man irgendwie ständig auf dem Weg, oder? Ihr kennt das sicher. Auf den Weg in die Kita. Auf dem Weg nach Hause. Auf dem Weg zum Schwimmen. Auf dem Weg zur Kinderstunde. Auf dem Weg zum Arzt. Auf dem Weg zur Oma. Auf dem Weg zum Klo. Auf dem Weg in die Küche. Auf dem Weg zu einem ordentlichen Haushalt (der Weg ist das Ziel, oder?). Auf dem Weg durch die Kindergartenzeit. Auf dem Weg durch die Grundschule. Auf den Weg durch die Kleinkindphase. Auf dem Weg zu mehr Schlaf. Auf dem Weg zu einem vollständigen Milchgebiss. Auf dem Weg eine bessere Mutter zu werden. Auf dem Weg zu einem harmonischeren Familienleben. Auf dem Weg zur After-Baby-Traumfigur.  Auf dem Weg zum nächsten Nervenzusammenbruch. Weiterlesen

Advent hinter schmutzigen Fenstern

Ihr Lieben,

ich hätte euch viel zu erzählen. Zum Beispiel, wie es doch noch Advent wurde bei mir zu Hause und im Herzen.

Aber auch, warum auf meinem Tisch wieder der olle Holzkranz mit den Rentieren steht, den mein Mann und ich vor mehr als 10 Jahren auf irgendeinem Weihnachtsmarkt gefunden haben.

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Freitagspizza am 04.11.2016

Licht und Dunkelheit – oder die zwei verschiedenen Sichtweisen auf diese Woche.

Einerseits wirkte sie wie ein permanenter Ausnahmezustand, der langsam dabei ist Alltag zu werden. Immer ist irgendetwas, nie ist, was man eigentlich braucht. Nie ist Ruhe. Nie ist Zeit. Nie ist Kraft. Nie genüge ich – vor allem  nicht meinen Ansprüchen. Doch dann schaue ich auf die Woche und sehe ganz viel andererseits.

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Einerseits begann es schon am Montag. Ich hatte Suppe gekocht, für meine Mutter. Sie ist krank und braucht meine Hilfe, meine Fürsorge, meine guten Worte. Die Kinder brauchten mich auch, vor allem als Taxi zu diversen Halloweenpartys, auf die sie eingeladen waren. Also strickte ich einen engen Zeitplan und packte alles ins Auto: Kostümierte Kinder, unkostümiertes Kleinkind und Suppe und fuhr los und gab mir Mühe, den Plan zu halten. Nachdem die Kinder abgegeben waren, sollte es zu meinen Eltern gehen. Drei Orte weiter – doch am Ausgang des zweiten Ortes war Schluss. Den Polizisten, der die Straße absperrte, interessierten meine Pläne nicht und auch nicht meine Suppe. Er machte seinen Job und den musste er machen, denn auf der Strecke, die ich fahren wollte, war ein furchtbarer Unfall passiert. Noch dazu an einer Stelle, die es unmöglich machte, eine Umleitung einzurichten. Der einzig mögliche Umweg hätte Stunden gedauert. Also warten. Was für ein Mist. Einerseits. Andererseits ließ sich alles regeln, die Kinder holte jemand anders ab, das Kleinkind und ich spielten in großen Blätterhaufen und wir warteten. Es dauerte auch gar nicht so lang, wie befürchtet. Andererseits konnte ich dann zu meiner Mutter fahren, ihr Suppe bringen, mit ihr reden, sie aufmuntern und dankbar sein, dass sie gesund werden kann. Was für ein Geschenk, besonders wenn man weiß, dass die Vollsperrung der Mutter einer früheren Freundin aus Kindertagen galt. Sie konnte an diesem Abend nicht von ihren Töchtern mit Suppe besucht werden.

Dagegen war der kleine Auffahrunfall, den mein Mann am nächsten Morgen hatte, eine lächerliche Kleinigkeit. Eine kaputte Stoßstange, ein bisschen Kopfweh – einerseits. Wieder ein Vormittag, den ich nicht zu Hause, sondern im Auto, bei der Werkstatt und beim Arzt verbrachte, wieder ein Vormittag, an dem meine to-do Liste nicht kleiner wurde – andererseits.

Der Banktermin am Mittwoch nervte – einerseits, denn er kostete wieder Zeit. Andererseits darf ich dankbar sein, eine tolle Bankberaterin zu haben, die auf Dinge aufpasst, die ich vergessen würde.

Dass das Kleinkind am Donnerstag geimpft wurde und ich beim Arzt war, statt zu Hause, nervte. Sein Zustand hinterher nervte auch. Einerseits. Andererseits gab es Momente wie diesen – eine kleine Kuscheloase im vollen Alltag.

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Dass das Wochenende nicht ruhiger wird, stresst mich – einerseits. Andererseits darf ich feiern. Ich darf das Leben feiern, mit meinem lieben Nachbarn von nebenan, der 70 geworden ist und um den wir uns genau vor einem Jahr um diese Zeit schlimm sorgen mussten. Und ich darf St. Martin feiern. Eins der schönsten Feste überhaupt, wie ich finde. Wir feiern es mit unseren Spielkreisen bereits am Sonntag und tragen so ein bisschen Licht in diese Welt und in das graue Novemberdunkel.

Einerseits bin ich erschlagen von dieser Woche und wünsche mir nichts mehr, als eine große Decke über meinem Kopf – und Ruhe. Andererseits hat sich die Oma heute spontan zum Babysitten angeboten und mein Mann und ich haben beschlossen, dass es die Freitagspizza heute beim Italiener gibt – nur für uns zwei. Wir feiern uns, ohne Grund, einfach so. Weil wir leben, weil wir uns haben und weil wir rocken, auch wenn wir es zwischen dicken Staubmäusen und Wäschebergen tun.

Freitagspizza am 21.20.2016

Überraschend entspannt war diese Woche! Es war eine Woche mit Kuschelzeit auf der Couch und mit viel Gelegenheit, meine neuen Kuschelsocken anzuziehen, die die beste Freundin mir gestrickt hat. (Falls ihr sehen wollt, was sie noch so strickt, schaut doch mal hier vorbei).

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Was nicht bedeutet, dass es diese Woche immer einfach war. Menschen, die ich liebe, geht es schlecht. Jemand aus meiner Familie hatte eine schwere, eine sehr schwere OP – die Nerven lagen zwischendurch blank. Und manchmal ist die schönste Nachricht eine ungelenke WhatsApp, auf der normalste steht – weil es bedeutet, dass jemand sein Handy zurück hat – und von der Intensivstation auf die Normalstation durfte.

Diese Woche hatte viel mit Annehmen zutun. Das Leben annehmen, wie es ist. Denn sind wir ehrlich, ich kann noch ein Dutzend Bücher über den heiligen Alltag rezensieren, ich kann noch 100 Beiträge hier oder drüben schreiben, die davon handeln, dass es okay ist, einfach nur Mutter zu sein. Wenn mein Kopf und mein Herz es nicht annehmen, dann hilft es mir persönlich wenig.

In dieser Woche musste ich annehmen. Es ging nicht anders. Es war niemand da, der hätte auf die Kinder aufpassen können. Es sind Ferien. Sie sind zu Hause, 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche – ALLE. Das hätte mich stressen können. Das hätte mich, gepaart mit den emotionalen Belastungen, in die Knie zwingen können. Hat es aber nicht. Irgendwann diese Woche, mitten im ganz normalen Wahnsinn, hatte ich das Schlüsselerlebnis. Was ich hier tue ist wertvoll, auch wenn es nicht danach aussieht. Ich muss die Bäder nicht blitzsauber haben, keine Kinderzimmer in Schöner-Wohnen Ateliers verwandeln, keine aufwendige Herbstdeko haben. Ich muss meinen Blog nicht zwanghaft mehrmals die Woche befüllen, um wichtig und anerkannt zu sein. Ich muss meine berufliche Zukunft nicht schon wieder panisch vorantreiben, nachdem ich doch gerade erst aus dem Hamsterrad ausgestiegen bin. Es reicht, wenn ich Mama bin, Mama von meinen drei Kindern. Es reicht völlig aus, die Dinge zutun, die hier zu Hause anfallen. Ihnen Frühstück machen, ihnen beim Duschen oder Baden zu helfen, Finger- und Fußnägel zu schneiden, Haare zu entknoten, vorlesen, Geschichten zu erzählen, Schuhe mit ihnen kaufen. Es ist wertvoll, für sie da zu sein, ihre Geschichten zu hören, ihre Fragen zu beantworten. Genau das ist mein Leben – ich wechsele volle Windeln, ich tröste und streichele und bepuste Beulen und aufgeschlagene Knie. Ich spiele mit ihnen im Garten, wir laufen durch den Regen und ich koche warmen Tee und brate ihnen Pfannkuchen zum Abendbrot. Wie so `ne Mami halt. Und hey, genau das bin ich.

Was ist eigentlich mit mir los, dass ich immer glaube, ich müsste unbedingt mehr sein, als das? Dass ich glaube, ich müsste nebenbei noch Bücher schreiben, Alltagsblogs zu Hochglanzseiten umbauen, eine Beratungspraxis einrichten, bevor ich überhaupt mit der Ausbildung fertig bin? Ich habe dieses „Du-kannst-trotz-Kindern-alles-schaffen“ Mantra viel zu lange in meinem Kopf abgespult und ich habe danach gelebt, auch wenn mein Herz schon lange ganz laut NEIN geschrien hat. Mama sein, das schien für mich nie zu genügen, das schien nie dem Bild zu entsprechen, das ich von mir hatte. Dabei ist es tief im Herzen schon immer genau das gewesen, was ich sein wollte. Was macht unsere Gesellschaft eigentlich mit uns Frauen, mit uns Müttern? Wieso dürfen wir nicht einfach sein, was wir sind und uns eine Weile lang damit begnügen, weil es wertvoll ist, weil es wichtig ist?

Tja und was bedeutet das jetzt? Wird dieser Blog geschlossen? Keine Angst, meine drei Leser, das passiert so schnell nicht. Die Bloggerei ist zu wichtig für mich. Breche ich meine Ausbildung ab? Nein, auf keinen Fall, sie macht zu viel Spaß, gibt mir zu viele wertvolle Impulse mit auf dem Weg und sie hat ja auch ein bisschen Geld gekostet. Was sich dauerhaft ändern muss, ist die Struktur in meinem Alltag. Ich kann nicht alles in einen Tag packen. Ich kann nicht schreiben, während drei Kinder um mich herum wuseln. Ich kann nicht auf der Terrasse sitzen und Texte lesen, während sie im Garten spielen. Ich kann nicht scheinbar entspannt neben ihnen her arbeiten. Sie haben Priorität in meinem Leben. Wenn sie da sind, kann ich nicht bloggen, nicht lernen, nichts für mich lesen, ja nicht mal in Ruhe einen Gedanken verfolgen. Die Versuche, so zu leben, haben mich gestresst. Sie haben mich unruhig und unzufrieden gemacht. Sie haben für schlechte Stimmung gesorgt, sie haben Kraft gekostet.

Es ist eindeutig. Der Blog muss warten. Die Texte müssen warten, mein Buchprojekt muss warten. Für all das ist dann Raum, wenn die Kinder in der Schule, der Kita oder bei den Großeltern sind. Abends, wenn sie schlafen, mittags, wenn eins schläft und die anderen ihre Medienzeit haben, morgens, wenn ich vor allen anderen wach bin. Das ist nicht viel, aber es  muss genügen. Alles andere funktioniert für uns nicht, alles andere ist die große Multitasking-Lüge, die uns Frauen überfordert, die uns unglücklich macht, die uns krank macht. Das bedeutet auch, dass dieser Blog zu Ferienzeiten nicht immer so regelmäßig befüllt wird. Es bedeutet, dass ich für alles andere vielleicht etwas länger brauche und das ab und zu etwas nicht so perfekt sein wird – und es bedeutet, dass ich trotzdem entspannt bin. Zumindest, wenn ich es annehme!

Gibt es heute eigentlich auch Pizza? Aber ja doch! Sogar selbst gemacht. Apfel, Schinken, Gorgonzola und normaler Käse – und das natürlich vom Grill. Auch auf die Gefahr hin, dass der Grillmeister dazu einen Glühwein trinken muss.

Leute, es ist Herbst!

Schule – wie die Bildungspanik uns lähmt

Ferien und Freizeit sind nicht mehr dasselbe

Bald sind Herbstferien – oder wie es treffender heißen müsste – unterrichtsfreie Zeit. Denn das, was ich eigentlich mal unter Ferien verstanden habe, hat mittlerweile herzlich wenig mit dem zutun, was viele Schüler heute während der freien Tage erleben. Die meisten Kinder stehen auch weiterhin jeden Morgen um halb sieben auf, um spätestens um halb acht durch die Türen irgendwelcher Institutionen zu gehen. Ausschlafen, Freunde treffen und die freie Zeit möglichst selbstbestimmt gestalten, das gehört oft leider nicht mehr zum Ferienalltag. Neben durchgetakteten Betreuungszeiten kommt aber vermehrt auch die Verlagerung der Schule nach Hause dazu. Eine Fülle von Hausaufgaben, nachzuarbeitender Stoff oder das Lernen für die nächste Klassenarbeit belasten vielerorts bereits den Familienalltag von Erst- oder Zweitklässlern. Der Gedanke, dass Kinder Freiräume, Kreativität und Ruhepausen brauchen, um wieder aufnahmefähig zu sein, scheint völlig in Vergessenheit zu geraten. Man kann ihn sich auch einfach gar nicht mehr leisten, denn die Vorgaben, die unsere Schulklassen erfüllen müssen, sind straff.

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Das Schulsystem ist veränderungsresistent

Abgesehen davon baden unsere Schüler täglich aus, dass Bildungspolitik auch weiterhin ein beliebtes Kampffeld für Ideologen aller Art ist. Um alle irgendwie zufrieden zu stellen, darf dann jeder einmal ran. Hier ein Reförmchen, da ein neuer didaktischer Wunderansatz und noch schnell ein bisschen neuer Wein in die alten Schläuche gefüllt. Bringt zwar alles gar nichts, sieht aber gut aus. Weiterlesen