Ein Paarwochenende in Prag

Ich bin wieder da, wenn auch unglaublich beschäftigt dieser Tage. Ich hatte euch ja bei der Mittwochspizza von letzter Woche bereits angekündigt, dass mein Mann und ich mal allein unterwegs sein wollten – und das waren wir dann auch.

Am Donnerstagmorgen sind wir zu zweit (und mit dem Auto der Schwiegermutter, weil Motorschaden bei unserem) nach Prag aufgebrochen.

Ich hatte nur wenige Vorstellungen von der Stadt und mir war nur klar, dass die Karlsbücke unglaublich schön sein soll – was sie auch tatsächlich ist. Aber mindestens genauso beeindruckend ist die Prager Altstadt mit all ihren kleinen Gässchen, ihren Lädchen und Kaffees und ihren schönen Plätzen zum Sitzen. Wir haben jede Sekunde dort unglaublich genossen und uns die meiste Zeit einfach nur treiben lassen.

Mal wieder rauskommen, Zeit als Paar verbringen, das ist etwas, was ich als ungeheuer wichtig und wertvoll wahrnehme. Mit jedem Kilometer, den wir uns von zu Hause, den Kindern, all unseren Verpflichtungen, Sorgen, durchwachten Nächten und ungeputzten Zimmern entfernen, merke ich wie nach und nach meine Schichten abbröckeln. Diese Schichten aus alltäglichen Aufgaben, dem schlechtem Gewissen, weil sie unerledigt sind, Gedanken an den nächsten Termin, das nächste Thema, das nächste To-do, die im Alltag oft dafür sorgen, dass ich die Kleinigkeiten nicht mehr sehe. Die Kleinigkeiten, die meinen Alltag immer wieder schön machen genauso wenig wie die Kleinigkeiten, die meinen Mann zu dem Menschen gemacht haben, mit dem ich schon immer mein Leben verbringen wollte – und die immer noch da sind, wenn auch manchmal unter seiner eigenen Schicht Alltagsstaub begraben. Sich mal wieder frei von all dem zu sehen und aufeinander konzentrieren zu können, stärkt uns – und macht unglaublich glücklich.

Paar-Auszeiten sollten eine ganz hohe Priorität auf den To-Do Listen von Eltern haben und dort am besten gleich unter Pfützen springen und Kissenschlacht mit den Kindern an Stelle 3 stehen. Dabei muss es gar nicht die große Reise sein, wie wir sie uns jetzt einmal anlässlich unseres 10. Hochzeitstages gegönnt haben, oft reicht die Wohnung der verreisten Freunde in der Nachbarstadt, die Jugendherberge oder das Zelt in den Bergen. Es geht dabei nicht darum, möglichst viele und tolle Dinge zu sehen, sondern sich zu sehen und bei sich und der Beziehung zu sein. Gemeinsam die Erleichterung zu spüren, einmal für eine kurze Zeit nicht verantwortlich für das große Ganze einer Familie zu sein. Einmal nicht aufstehen zu müssen. Einmal andere die Hausaufgaben nachschauen zu lassen. Einmal jemanden anders kochen und spülen lassen. Sich einmal nicht umdrehen müssen, wenn jemand Mama ruft, weil man nicht gemeint sein kann. Oft reicht ein einziger Abend, an dem jemand aufpasst und man selbst mit Picknickkorb auf der Parkbank um die Ecke sitzt, um sich mal wieder zu sehen – und zwar als diejenigen, die irgendwann mal eine ganz große Liebesgeschichte miteinander angefangen haben und diese bis heute weiterspinnen.

Ich wünsche euch, dass ihr Luft und Räume in eurem Alltag findet, um genau solche Zeiten zu erleben und ich möchte euch ermutigen, andere Menschen in euer Leben und zu euren Kindern zu lassen, damit sie da sein können, wenn ihr mal weg wollt. Das lohnt sich wirklich.

Und nun gibt es noch ein paar Bilder von unserem Wochenende und eine ganz klare Reiseempfehlung – wenn ihr ein Wochenende weg von allem organisieren könnt, dann wählt Prag. Wenn ihr dort seid, werdet ihr sofort verstehen, warum.

 

Das rote Kleid ist übrigens mein Hochzeitskleid von damals 😀

Lass Liebe auf uns regnen

Als Eltern ein Paar bleiben


Laß Liebe auf uns regnen,
Laß es gießen und uns segnen
Laß uns immer neu begegne
Laß es immer, laß es immer so sein.
(Reinhard Mey, Lass liebe auf uns regnen)

Ja, ja, ich weiß. Reinhard Mey, ist jetzt wahrscheinlich nicht das, was die meisten von euch den ganzen Tag über laufen haben. Aber ab und zu höre ich persönlich ihn ganz gerne. Seine Texte bewegen mich häufig und immer wieder finde ich etwas bei ihm, was mich zum Nachdenken und ins Schreiben bringt.

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Lass Liebe auf uns regnen, lass es gießen und uns segnen, lass uns immer neu begegnen, lass es immer so sein. Dieser Text rührt mich. Besonders, weil man in der ersten Strophe des Liedes erfährt, dass es dabei nicht etwa um ein frisch verliebtes Paar geht, sondern um ein Silberpaar – um zwei Menschen, die sich 25 Jahre lieben. Die sich versprochen haben, mit einander alt zu werden und die es nun bald sind – und nun bittet der Mann die Frau, mit ihm noch älter zu werden. Weiterlesen