Ein neues Herz – für unsere Kinder

Gott spricht: Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch. (Hesekiel 36,26)

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Das neue Jahr begann damit, dass ich mich extrem verkatert fühlte. Das lag nicht etwa an einer zu exzessiven Feier am Vortag oder gar dem übermäßigem Genuss von Alkohol (ich glaube, ich habe es auf etwa 0,2 l Weißwein gebracht), sondern an einer fetten Erkältung, die sich um meinen Kopf herum festgesetzt hatte, zu wenig Schlaf und allgemeiner Kollerstimmung sofort nach dem Aufwachen.  Weiterlesen

Anstrengende Abendstunden

Wenn die Eltern eine Pause brauchen

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Ich glaube, das kennen wir alle. Die Zeit, die wir in unseren Köpfen als „Feierabend“ definiert haben, ist längst rum – und wir schieben Überstunden. Überstunden am Kinderbett. Weil die Kinder noch Durst haben, Hunger, Angst vor Monstern oder einfach nicht allein sein wollen. Weil sie weinen, ohne das wir den Grund wirklich erkennen können. Weil sie uns immer wieder rufen oder alle paar Minuten im Wohnzimmer stehen, um uns zu sagen, dass sie nicht einschlafen können. Manchmal geben wir uns der Phantasie hin, diese Zeit sei vorbei, weil sie schon fünf sind oder sieben – oder zehn – und weil es vielleicht mal ein paar Monate lang nicht so war. Doch dann kommt es wieder. Manchmal für uns aus heiterem Himmel. Wir verstehen nicht, warum sie uns auf einmal wieder brauchen, während sie tagsüber doch so selbstbewusst ihre Wege gehen. Vielleicht ist das aber, genau das, der Grund, warum sie sich abends auf einmal wieder nach Nähe sehnen. Nach einer Hand, die ihnen übers Haar streichelt und flüstert, dass alles gut wird. Nach einem Arm, in den sie die unverarbeiteten Erlebnisse des Tages weinen können. Nach einem Ohr, das zuhört, wenn plötzlich alles aus ihnen heraus bricht, was sie tagelang nicht erzählen wollten. Manchmal ist es auch subtiler. Es scheint keinen Grund zu geben. Sie haben nichts zu erzählen, nichts zu beweinen und suchen dennoch unsere Nähe. Wollen unsere warmen und Sicherheit gebenden Körper neben sich beim Einschlafen. Wollen, dass wir ihre Hände halten oder kommen einfach immer wieder runter, um uns zu sehen und sich zu vergewissern, dass wir noch da sind und ihre Welt noch steht. Weiterlesen

Von Sternsingern, Kindern und Hoffnung

Uns allen steht eine düstere Zukunft bevor. Zumindest, wenn man manchem Schwarzmaler glaubt, der in letzter Zeit die pädagogische Debatte in Deutschland begleitet hat. Zum Jahresende schossen sie noch einmal wie Pilze aus dem Boden, diejenigen, die uns Eltern gern ein schlechtes Gewissen machen und glauben zu wissen, was aus der Brut wird, die wir gerade heranziehen.

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Grenzen setzen – ein allzu missverständliches Thema

Kinder brauchen Grenzen

Kinder brauchen Grenzen heißt einer der bekannteren Erziehungsratgeber unserer Zeit. Auch viele andere Bücher zum Thema Aufwachsen und Familienleben kommen nicht aus, ohne dem Thema Grenzen setzen zumindest ein Kapitel  zu widmen.

Kaum war in meinem Umfeld bekannt geworden, dass ich mich in meinem neuen Blog mit bindungs- und beziehungsorientierter Elternschaft beschäftige, wurde auch ich mit der Frage nach den Grenzen konfrontiert. Schön, dass du wieder bloggst, sagte mir jemand, aber das Thema ist nicht meins. Kinder brauchen doch Grenzen. Auch mit dem, was in der Bibel über Erziehung steht, ist es nicht zu vereinbaren. Dieses völlig regellose Aufwachsen ist nicht gesund und die Kinder werden spätestens in der Schule Probleme bekommen.
Ob mein Kritiker mit seinem Bezug zur Bibel oder dem, was er über die Schule sagte, recht hat, sei einmal dahin gestellt bzw. ein gutes Thema für weitere Beiträge von mir. Heute möchte mich lieber mit der Frage beschäftigen, ob die Abkehr von Erziehung und die Hinwendung zur Beziehung zu Kindern tatsächlich bedeuten, dass Grenzen im Familienleben keine Rolle mehr spielen.

Die Idee in einer gesunden und glücklichen Beziehung zu seinen Kindern zu leben, bedeutet nicht automatisch, dass es innerhalb dieser Beziehung keine Grenzen mehr gibt. Es geht vielmehr um das Setzen eigener, persönlicher Grenzen und nicht das unreflektierte Übernehmen von Grenzen, die „man halt so setzt“.

Wenn ich an unseren Alltag als Familie denke, fallen mir dazu zwei Beispiele ein.

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Dürfen Kinder auf dem Sofa springen?

In unserem Wohnzimmer steht ein uraltes Sofa. Mein Mann und ich haben es von unserem ersten Gehalt gekauft, es war unser erstes Möbelstück, das neu war und nicht schon bei unseren Eltern, Großeltern oder dem Sperrmüll gestanden hatte. Weiterlesen

Mein wichtigstes Mama-Mantra

Heute möchte ich euch mein wichtigstes Mantra als Mama vorstellen. Ich habe es mir bereits am Ende meiner Schwangerschaft mit Kind 1 angewöhnt.

Irgendwann wurde mir nämlich alles zuviel. Mein Baby war noch nicht mal geboren, aber jeder wusste bereits etwas über diesen kleinen Menschen, der in mir heranwuchs. Jeder hatte eine Meinung dazu, wie und wo unser Sohn schlafen sollte, wann, wie und ob ich wieder arbeiten können werde, wie mein Leben zukünftig aussehen wird und welche Dinge, Rituale und Erziehungsmaßnahmen dieses Kind bräuchte. Ungefragt wurde also dieses geballte Wissen über mein Kind an mich herangetragen, mein Blutdruck stieg mit jedem guten Ratschlag und als ich mich irgendwann genau aus diesem Grund im Krankenhaus wiederfand, passierte es. Die Freundin meiner Bettnachbarin, selbst gerade junge Mutter, hatte sich ungefragt neben mich gestellt und mir erzählt, wie mein Leben in wenigen Tagen aussehen würde. Über den Boden des Flurs hörte ich das fahrbare Blutdruckmessgerät rattern und ich wusste, er würde schwindelerregende Höhen erreichen, wenn nicht sofort etwas passierte. Und so sah ich sie an, die fremde Frau, die mich nicht kannte, die ich nicht kannte, die nichts über mich wusste, außer wie mein Leben in ein paar Tagen aussehen wird und dachte – blubb!

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Ich ignorierte ihre Worte, lächelte freundlich, nickte ab und zu und stellte mir vor, aus ihrem Mund kämen nur Luftblasen und es machte blubb. Weiterlesen

Liebe, Liebe und nochmal Liebe

Wenn Angst und Zweifel sprachlos machen

Irgendwie war er holprig dieses Jahr, der Start in unseren so lange ersehnten Sommerurlaub. Es begann schon am Vorabend. Statt mich schlaflos vor Vorfreude im Bett hin und her zu wälzen, starrte ich die halbe Nacht ängstlich auf mein Handy und betete, Gott möge diesem Wahnsinn ein Ende bereiten. Nur achtzig Kilometer entfernt von dem Ort, an dem wir unseren ersten Zwischenstopp machen wollten, tobte ein, zu dieser Zeit noch namenloser, Schrecken. Es war die Nacht vom 22. auf den 23. Juli und noch wusste man nicht, wie sich die Lage in und um München in den nächsten Stunden entwickeln würde.

Am nächsten Morgen war ich übernächtigt und bedrückt. Ich wusste nicht wohin mit meinen Emotionen, meiner Angst, meinem Mitgefühl, meiner Trauer darüber, was an jenem Abend geschehen war. Mit Entspannung auf Knopfdruck tue ich mich seit jeher schwer und so brauche ich immer einige Tage, bis ich von Alltag auf Urlaub umschalten kann. Doch diesmal war es besonders schlimm. Ich war außerstande, die Bedürfnisse meiner Kinder wahrzunehmen und angemessen auf sie zu reagieren. Kleinigkeiten eskalierten und ich hatte das Gefühl, dass die Situation mir entglitt. Ich fühlte mich unfähig, hilflos und versagend. Ich hatte Zweifel – Zweifel an meiner Rolle als Mutter, Zweifel an uns als Familie, Zweifel an unserem Weg. Hatten wir bisher die richtige Art gewählt, unsere Kinder ins Leben zu begleiten? Waren wir zu mild? Zu inkonsequent? Hatten wir unsere Kinder mit unserem Fokus auf Bindung und Beziehung gar verzogen? Hatte ich mir das ganze Desaster selbst eingebrockt und vor allem – was dachten die Menschen um mich herum über uns? Auf einem Campingplatz ist man ähnlich privat unterwegs, wie auf Facebook – jeder bekommt alles von einem mit. Jeder kindliche Wutanfall, jede mütterliche Entgleisung, jeder chaotische Abend findet auf dem Präsentierteller statt. Zumindest fühlte es sich für mich so an.

Die Zweifel loslassen

Einige Tage später verblassten die anfänglichen Schwierigkeiten langsam und die Schönheit der Südtiroler Berge hatte mich in ihren Bann gezogen. Ich war angekommen – angekommen im Urlaubsort und wieder angekommen bei mir. Das Gepäck, das ich zum Urlaubsstart mit mir herumgetragen hatte, war in den ersten Tagen nicht leichter geworden. Auf München folgte Ansbach und irgendwann dazwischen ereilte mich die Nachricht vom Selbstmord eines Bloggerkollegen, mit dem ich wenige Tage zuvor auf Twitter noch heiß diskutiert hatte. Eine ungewöhnliche Schwere und lag über diesen Sommertagen, doch nach und nach konnte ich sie loslassen. Mit ihr schwanden auch die Zweifel und machten Platz für eine große Gewissheit. Ja – wir waren auf dem richtigen Weg. All die schrecklichen Ereignisse der letzten Tage und Wochen bedurften nur einer Antwort: Liebe. Weiterlesen

Neue Wege

Ihr lieben Leserinnen und Leser,

einige von Euch kennen mich schon länger, vielleicht habt ihr sogar schon mein allererstes Blogbaby mit wachsen sehen – Die Zweibeinerin und die 10ks – später unter dem Namen Kinderkram und Campingküche bekannt. Vielleicht habt ihr schon einige Freitagspizzen mit mir verspeist, vielleicht habt ihr über mein kurviges, unstetes Leben und Bloggen gestaunt. Vielleicht wart ihr dabei, als ich eine On/Off-Beziehung zu meiner Doktorarbeit führte und später auch zu meinem Blog, den ich immer mal wieder ins Sabbatical geschickt habe.

Vielleicht habt ihr mich auf Facebook entdeckt und klickt jetzt gerade mit einem genervten Augenrollen hier rein und wollt mal schauen, was ich nun schon wieder vor habe.

Vielleicht kennt ihr mich aber auch erst seit Kurzem, folgt mir auf twitter oder seid über Unvereinbarkeitsdebatte hier her gekommen und seid neugierig zu erfahren, wie ein Familienblog zu meinem politischen Geblogge von drüben passt.

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Geschichten, die das Familienleben schreibt

Nun ja – dieser neue Blog ist Teil von allem, was ihr bisher von mir kennt und wisst. Er ist ein Stück Kinderkram und Campingküche, denn darum dreht sich mein Leben noch immer. Er ist ein Ort mit Freitagspizzen und anderen schönen Ritualen aus meinem Familienalltag. Er ist aber auch der Versuch fortzuschreiben, was ich mit Unvereinbarkeitsdebatte begonnen habe – nur auf einer anderen Ebene. Ich möchte auf diesem Blog das Leben als Familie in den Vordergrund stellen und ich möchte Mut machen, sich den äußeren Anforderungen wie Bildungswahn, Vereinbarkeit und Zwangsoptimierung zu entziehen, mit denen Familien sich heute oft konfrontiert sehen. Ich möchte Euch Mut machen, Familie zu leben und Familie Raum zu geben. Weiterlesen