Was aus Kindern wird, die alles dürfen

Kinder, die alles dürfen, werden zu Erwachsenen, die nichts können

Guck mal, sagte meine Freundin. Meine Kita hat einen Elternabend mit diesem Titel angesetzt. Was soll das denn heißen? Und vor allem, stimmt das aus deiner Sicht?

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Ich hätte wahrscheinlich genervt die Augen verdreht und meiner Freundin geraten, den Abend lieber in der Badewanne zu verbringen, statt sich auf viel zu kleinen Stühlen den Hintern platt zu sitzen und einem Vortrag mit einem derart reißerischen Titel zu lauschen. Doch dann sprang mich genau dieser Satz in den darauffolgenden zwei Wochen drei weitere Male an und langsam aber sicher begann ich, mich darüber zu ärgern.  Weiterlesen

Von Sternsingern, Kindern und Hoffnung

Uns allen steht eine düstere Zukunft bevor. Zumindest, wenn man manchem Schwarzmaler glaubt, der in letzter Zeit die pädagogische Debatte in Deutschland begleitet hat. Zum Jahresende schossen sie noch einmal wie Pilze aus dem Boden, diejenigen, die uns Eltern gern ein schlechtes Gewissen machen und glauben zu wissen, was aus der Brut wird, die wir gerade heranziehen.

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Achterbahn

Gedanken und Gefühle fahren Achterbahn.

Ich bin wütend: Wütend auf die Menschen, denen das Leben anderer Menschen so wenig wert ist, dass sie töten.  Wahllos, grundlos. Ohne zu sehen, dass dort Mütter, Väter, Kinder, Freunde oder Großeltern stehen. Jeder davon hätte mein Angehöriger oder Freund sein können oder der des LKW-Fahrers.

Ich bin wütend, über all die dummen Kommentare im Netz. Über den Mangel an Empathie und Menschlichkeit. Über das Instrumentalisieren der Opfer. Über rechte Dummköpfe. Weiterlesen

Mit Kindern über den Tod sprechen

Egal, ob sich nun ein schlimmes Ereignis, wie letztes Jahr in Paris abgespielt hat oder ob der Tod unmittelbar in unser eigenes Familienleben eingebrochen ist oder aufgrund einer schweren Krankheit im Raum steht – irgendwann kommen wir an den Punkt, an dem unsere Kinder uns Fragen zum Thema Tod und Sterben stellen. Viele Eltern sind unsicher, wie sie dieses schwere Thema mit ihren Kindern besprechen können, ohne unnötige Ängste zu schüren, aber auch ohne die Fragen und Gedanken der Kinder herunter zu spielen.

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Verlustängste bei Kindern

Es war ein wunderschöner Vormittag: ein langes Frühstück mit einer Freundin. Endlich mal wieder Zeit für gute, intensive Gespräche. Die Uhrzeit hatten wir ein bisschen aus dem Blick verloren und so waren es am Ende nur noch 10 Minuten, bis das Kindergartenkind abgeholt werden musste. Normalerweise wäre es zu schaffen gewesen, doch dann kam eins zum anderen: eine volle Windel beim Kleinkind und die anschließende Weigerung, sich anzuziehen. Ein LKW, der die Straße blockierte, ein auswärtiges Auto vor mir, dass mit 30 durch die 70er Zone fuhr – und so schaffte ich es nicht. Mit knapp 10 minütiger Verspätung parkte ich vor der Kita und stürmte rein. Bis dahin war ich recht ruhig gewesen. Die Vorschülerin weiß, dass ich sie abhole und dass ich manchmal etwas knapp komme. Sie wird fertig angezogen dasitzen und warten und vielleicht ein bisschen schimpfen. Doch es war ganz anders. Heftig schluchzend saß sie auf dem Schoß ihrer Erzieherin und klammerte sich dann sofort weinend an mich. Sie dachte, ich würde nicht kommen. Zuerst war ich ein bisschen ratlos über diese Reaktion, doch als ich im Auto noch länger mit ihr sprach, dämmerte es mir.

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Ich dachte, dir sei ein Unfall passiert.

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Kinder und der Wahnsinn der Welt

Mama, ich habe gehört, es gibt jetzt neue Mörder!

Bis zu diesem Satz war es ein Mittagessen wie jedes andere gewesen – umgeworfene Trinkbecher, die Diskussion darüber, ob eine Mahlzeit wohl eher vor oder eher nach dem Tischgebet startet und ein paar Geschichten aus dem Kindergarten und der Schule. Doch dann platzte eins meiner Kinder mit diesem Satz heraus.

„Sie sollen so aussehen, wie Clowns“

Wir besprechen viel von dem mit unseren Kindern, was in der Welt vor sich geht – auch die schlimmen Dinge. Die Erfahrung zeigt uns immer wieder, dass sich der Schrecken der Welt leider nicht verheimlichen lässt und dann ist es uns lieber, die Kinder erfahren von uns und in unseren Worten, was draußen passiert.

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Wenn die Wand dünner wird

Von Halloween bis Totensonntag

Eigentlich wollte ich heute darüber schreiben, wie wir als christliche Familien damit umgehen können, wenn unsere Kinder am nächsten Montag Halloween feiern wollen. Ich wollte Euch eigentlich aufzeigen, wie ich dazu stehe, dass ich mit der Süßes-oder-Saures-Tradition wenig anfangen kann. Ich wollte schreiben, dass es mich Jahr für Jahr ein wenig ärgert, dass immer mehr Kinder diesen Hype mitmachen, aber die nordhessische Tradition des Clowesabends dagegen ausstirbt. Wahrscheinlich hätte ich dann für alle Menschen im Rest der Republik erklären müssen, dass Clowesabend der Brauch ist, am Abend des Nikolaustages verkleidet von Haus zu Haus zu gehen, den Menschen witzige Segenswünsche zu überbringen und dafür Süßigkeiten zu bekommen. Ich hätte berichtet, wie ich an jedem  6. Dezember trotzig eine Schüssel mit Süßigkeiten neben die Haustür stelle und warte, obwohl ich weiß, dass niemand mehr kommt und wie ich eben diesen Süßkram dann spätestens ab 21 Uhr betrübt selbst verspeise. Ich hätte dann weiter ausgeführt, warum ich Euch trotz alle dem zu einem gelassenen Umgang mit Halloween rate, hätte die Herkunft dieses Festes erklärt und Euch am Ende gebeichtet, dass ich zwar dem Süßigkeitensammeln an diesem Tag so gar nichts abgewinnen kann, mich aber unglaublich gern gruselig verkleide und auch  deshalb in den vergangenen beiden Jahren eine Gruselparty für meine Kinder geschmissen habe. Aufgrund meiner protestantischen Sozialisation hätte ich dann noch irgendwie und irgendwo das Wort Reformationstag in diesem Text unterbringen müssen, und am Ende wäre wahrscheinlich ein mehr oder weniger gelungenes Konstrukt dabei heraus gekommen, an dem sich einige gefreut und andere gerieben hätten. Weiterlesen