Mit Kindern und Caravan durch Südfrankreich Teil II

Marseillan Plage und die Ardèche

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Zugegeben, der Wechsel von den ruhigen, beschaulichen Tarnschluchten ans wuselige, touristische und überlaufene Mittelmeer war für uns alle ein Kulturschock. Für uns Eltern, obwohl wir das alles kannten und wussten, was uns erwartete, genauso wie für die Kinder, die zum ersten Mal einen südeuropäischen Küstenort zur Hauptsaison besuchten. In den ersten Stunden inmitten von unzähligen Restaurants, die Muscheln aus Sandeimern servierten, vollen Stränden, lauten Marktschreiern und riesigen, schwimmenden Plastiktieren, hatte ich so meine Zweifel, ob dieser Ortswechsel das Richtige für uns war und ob wir uns nicht an unserem Fluss in unseren Schluchten besser erholt hätten. Weiterlesen

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Ancampen am Edersee

Endlich unterwegs mit Kind, Kind, Kind und Caravan

Die Irren haben es am Freitag nicht dabei belassen, sich einfach nur an ihren zwei neuen Zimmern zu erfreuen. Stattdessen habe ich, während der Mann seine letzten Sachen fürs Wochenende im Büro ordnete, endlich unseren Wohnwagen vollpacken dürfen. Für jeden zwei Hosen, zwei T-Shirts, einen wärmeren Pulli, Regenjacken, Gummistiefel, Unterwäsche, Duschzeug und Zahnbürsten – und was man noch so braucht.

Als der Mann dann gegen 16 Uhr (mit einstündiger Verspätung) nach Hause kam, konnte es auch ziemlich gleich (naja, okay, nach einer weiteren Stunde) losgehen.

Zum Glück liegt der Campingplatz Teichmann in Herzhausen nur etwa eine Caravanstunde von uns entfernt und so lohnte es sich dann tatsächlich noch loszufahren.

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Wir waren schon öfter „beim Teichmann“ gewesen und so kannten wir uns gleich aus und freuten uns über unsere riesengroße Parzelle und vor allem darüber, dass das angekündigte Unwetter bereits weitergezogen war und wir bei Sonnenschein und angenehmen Temperaturen aufbauen durften.

Die Kinder freuten sich derweil über den riesengroßen Spielplatz.

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Etwas weniger erfreulich war allerdings die Tatsache, dass wir die Luftpumpe für unser neues aufblasbares Vorzelt vergessen hatten – und somit ohne Vorzelt, nur mit Sonnensegel stehen mussten. Es kommt auf die Liste der Dinge, die wir im Sommerurlaub auf keinen Fall vergessen dürfen. Auf diese Liste kommt außerdem der Rausfallschutz fürs Bett von Kind 3, denn den hatten wir auch nicht dabei. Ich fand uns in unserer Vergesslichkeit extrem konsequent, denn da der Rausfallschutz nicht da war, mussten wir die Dinette (für nicht-Camper: das ist eine Sitzgruppe, die man in ein Bett verwandeln kann) nicht umbauen und hätten sie als Essecke nutzen können, wenn das Wetter fürs Sitzen unterm Sonnensegel zu schlecht gewesen wäre (war es aber übrigens nicht).

Unser Wochenend-Motto war „alles einmal austesten“ (also alles, was dabei war). Dabei haben wir wertvolle Erfahrungen gesammelt – zum Beispiel, dass der Pizzastein für unseren Grill ohne mit Mehl bestäubt zu sein nicht zu gebrauchen ist. Während ich also die Reste der zerrupften und angekokelten Pizza entsorgte und Mann und Kinder im Camping-Imbis Pizza und Pommes organisierten, setzte ich in Gedanken Mehl auf die Liste der Dinge, die wir auf keinen Fall nochmal vergessen dürfen.

Am Samstagmorgen hatten wir uns dann aber ganz gut mit den Gegebenheiten arrangiert und auch das kleine Stromproblem gelöst, das sich in der Nacht noch ergeben hatte. Wir nutzen das überraschend gute Wetter für einen Ausflug in den Nationalpark Kellerwald, der sich direkt gegenüber vom Campingplatz befindet und einfach traumhafte Wanderrouten hat.

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Später genossen wir dann viel von dem, was unser Platz so zu bieten hatte: den großen Spielplatz, Eis im Restaurant und viel Platz zum Spielen und Toben – und natürlich zum Grillen. Alle angekündigten Unwetter entluden sich anderswo und so konnten wir (von ein paar Tropfen abgesehen) die ganze Zeit draußen und trocken sein.

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Am Sonntagmorgen ging es dann aber auch schon nach Hause, denn schließlich musste noch der Geburtstag von Kind 1, der am Montag verrückte acht Jahre alt geworden ist, vorbereitet werden.

Ohne große Verzögerung ging es also los – alles sah toll aus. Bis wir kurz vor der Autobahnauffahrt langsamer wurden. Und langsamer. Und immer langsamer. Und gerade noch so auf einem Pendlerparkplatz zum Stehen kamen, bevor sich unser Auto verabschiedete. Da standen wir nun, mit drei Kindern, einem kaputten Auto und einem Wohnwagen hintendran.

Während mein Mann zusammen mit dem Abschleppwagen in die nächste Werkstatt fuhr und die Mädchen bittere Tränen vergossen, ergänzte Kind 1 unsere nicht-vergessen Liste um ein Auto, dass in der Lage ist einen Wohnwagen zu ziehen, ohne kaputt zu gehen. Ich finde das eine sehr kluge Ergänzung.

Der Rest ist schnell erzählt. Mein toller Papa kam mal wieder herbei geeilt und holte die Kinder vom Parkplatz ab. Ich blieb (ohne Handy, weil mein Akku alle war) auf dem Parkplatz beim Wohnwagen und wartete auf Rettung. Der Leihwagen, den der Mann zwei Stunden später mitbrachte, war ein Zweisitzer-Smart (also perfekt geeignet für eine fünfköpfige Familie, die einen Wohnwagen nach Hause ziehen muss…). Glücklicherweise hatte er aber auch unseren Freund Frank im Schlepptau, der ruhig und besonnen mit seinem Zugwagen kam und unseren Caravan auf seinen Stellplatz zog. Zusammen mit meinem Papa war er mein Sonntagsheld. Meine Schwiegermutter reihte sich nahtlos in die Reihe der Helden ein und übernahm für den Rest des Tages alle Kinder, sodass wir den anstehenden Geburtstag (mit nur vier Stunden Verspätung) dann doch noch vorbereiten konnten.

Und diese beiden Helden gönnten wir uns, nachdem die Kinder im Bett waren! Was für ein Tag. Was für ein Wochenende. Was für eine Woche. Irre!