Sommerferien – schulfreie Zone bitte!

Bald ist es soweit – zumindest bei uns in Hessen. Das Schuljahr endet und die Kinder bekommen Sommerferien. Die großen, langen Ferien. Die Zeit im Jahr, in der unsere Kinder so richtig lange am Stück frei haben – oder zumindest frei haben sollten.

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Die Realität verschiebt sich leider gerade. Als Eltern können wir es uns nicht mehr unbedingt leisten, unseren Kindern sechs Wochen lang die Möglichkeit zu geben, in den Tag zu leben. Wir selbst sind berufstätig und je nach Tätigkeit und Kollegenkreis werden wir nicht länger als zwei bis drei Wochen frei bekommen. Kein Wunder, dass Jahr für Jahr Diskussionen darüber losbrechen, ob man die Ferien nicht kürzen sollte.

Ich möchte dieses Jahr darauf verzichten eine Diskussion loszutreten, ob dieser Ansatz nicht vom falschen Ende aus gedacht ist – ich habe das auf Unvereinbarkeitsdebatte in den letzten Jahren zu Genüge getan, hier zum Beispiel. Ich möchte euch lieber ein paar Gedanken mit auf den Weg geben, wie die großen Ferien für alle zum Gewinn werden können.

Mir liegt das Thema Sommerferien Jahr für Jahr wieder sehr am Herzen, weil ich diese für eine der wichtigsten Auszeiten im Jahr halte. Sommerferien sind für mich Erholungszeit, Freiraumzeit, aber auch Bindungs- und Beziehungszeit und ich bin schwer dafür sicherzustellen, dass all das auch sein darf.

Erholung finden Kinder vor allen Dingen dadurch, dass sie raus sind – einmal komplett raus aus dem Hamsterrad, in das wir sie sonst stecken. Sie müssen sich sechs Wochen lang keine Gedanken um Hausaufgaben, Klassenarbeiten oder ordentlich geführte Hefte machen. Sie dürfen abschalten und entdecken, was ihnen selbst wichtig ist. Das sollten wir ihnen lassen. Ich weiß, dass viele Eltern Angst davor haben, ihre Kinder so lange Zeit nicht mit Schuldingen zu konfrontieren und mittlerweile gibt es dafür sogar einen Markt: Überall liegen Lernhefte, Rätselhefte und „pädagogisch wertvolle“ Bücher zum Kaufen aus, die versprechen, dass unsere Kinder auch in den Ferien spielerisch am Unterrichtsstoff dran bleiben. An dieser Stelle finde ich es gut, sich mit den eigenen Befürchtungen, die man als Vater oder als Mutter hat auseinanderzusetzen und sich zu fragen, warum man möchte, dass das Kind auch in den Ferien am Schulstoff dran bleibt. Oft steckt dahinter die Befürchtung, dass sie auf der Strecke bleiben, dass sie sonst nicht mehr mithalten können im Spurt um die besten Leistungen, den schon die Allerkleinsten am besten gewinnen sollten. Ist es wirklich realistisch, dass ein Kind alles verlernt, weil es mal sechs Wochen keine Mathehefte aufschlägt und reicht es nicht auch, wenn man es mal zum Einkaufen schickt und das Wechselgeld nachzählen lässt? Muss ein Kind Schreibübungen machen und leergebliebene Seiten in den Schulheften vom letzten Schuljahr füllen oder ist es genug, ein paar Worte auf die Urlaubspostkarte an die beste Freundin zu kritzeln?

Und lernen unsere Kinder in den Ferien nicht sowieso? Und zwar die wirklich wichtigen Dinge? Die Tage frei gestalten, die Natur beobachten, sich selbst nach den eigenen Interessen etwas suchen, vielleicht auf Reisen neue Orte sehen, neue Menschen treffen, Naturphänomene kennenlernen, ist das kein Lernen? Ich finde schon. Unsere Kinder können gar nicht nicht lernen. Die Ferien geben ihnen nur endlich die Gelegenheit, dies so zu tun, wie sie es möchten. Ich finde, das beste was wir als Eltern tun können, ist uns entspannt zurücklehnen und ihnen zuschauen. Das kleine 1×1 wird am Anfang des neuen Schuljahres bei dem einen oder anderen dann vielleicht ein bisschen weniger flüssig von den Lippen kommen, aber ich bin mir sicher, dass sich das schnell wieder geben wird – die gemachten Erfahrungen in schulfreien Räumen bleiben hingegen ein Leben lang!

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