Dann mach Limonade daraus

Ihr kennt das?

Wenn das Leben Dir Zitronen gibt, dann mach Limonade daraus.

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In letzter Zeit gab es hier eine reichhaltige Zitronenernte. Zuerst einmal natürlich die bereits bekannte Geschichte mit dem Auto. Etwa zeitgleich erfuhren wir, dass Kind 2 ein paar Polypen zu viel und ein paar Paukenröhrchen zu wenig hatte und machten einen OP Termin aus. Glücklicherweise habe ich den Optimismus der Ärztin, dass sie am Montag wieder in die Kita gehen könne, wenn sie aufs Toben und aufs in der Sonne sein verzichten würde, nie geteilt. Zum Glück bin ich ja frei und ungebunden und sowieso mit der Betreuung von Kind 3 beschäftigt, sodass sie problemlos daheim bleiben kann. Dass das auch nötig ist, haben die letzten Tage gezeigt, denn sie erholt sich nur langsam von diesem Eingriff. Ein Fieberschub am Wochenende, wiederkehrende Ohrenschmerzen und die Hitze machen ihr noch immer zu schaffen. Sie ist unausgeglichen, weinerlich und Mama anhänglich bei gleichzeitigem, vorschulpubertären Autonomiewünschen. Herrlich.

Die Neurodermitis von Kind 3 hält uns ebenfalls weiter in Atem, zwar sind dank eines neuen Schlafanzugs die Nächte deutlich besser geworden, dafür juckt es sie tagsüber neuerdings stärker – und mein Mama-Herz blutet und blutet und blutet.

Als ob das nicht reichen würde, entdeckte ich am Sonntagmorgen unter der Dusche einen roten Ring an meinem rechten Bein, Rings um eine Stelle herum, die ich bis dahin für einen Mückenstich gehalten hatte. Ich rief vorsorglich beim kassenärztlichen Bereitschaftsdienst an um mich zu erkundigen, ob dieser rote Kreis bis Montag beobachtet werden darf oder sofort von einem Arzt angeschaut werden sollte. Kurzum: 20 Minuten später saß ich im Auto auf dem Weg zum Bereitschaftsdienst.

Ich weiß ja nicht, wie das in anderen Bundesländern so abläuft, aber bei uns ist es so, dass jeder Arzt, der nicht in einem Krankenhaus arbeitet, gelegentlich diesen Bereitschaftsdienst in speziellen Räumlichkeiten abhalten muss. Neben Hausärzten begegnen einem dort also auch Urologen, Augenärzte, Laborärzte und wahrscheinlich sogar Pathologen.

Meiner war sehr nett – und vermutlich Tierarzt. Ob es sich bei meinem roten Ring um eine beginnende Borreliose oder doch nur um einen aufgekratzten Mückenstich handelt, das konnte er mir nicht sagen, er beschloss aber, es so zu behandeln, als sei es Borreliose und verschrieb mir zielsicher ein Hammer-Antibiotikum. Dass ich auf die meisten Antibiotika mit Durchfall reagiere, fand er nicht so schlimm, denn das, was er mir da verschrieben hatte, würde garantiert auf den Darm schlagen, bei jedem, ob empfindlich oder nicht. Wie lange ich es nehmen müsste, fragte ich niedergeschlagen, denn ich hatte man gehört, dass man das Zeug bei Verdacht auf Borreliose zwei bis drei Wochen schlucken darf. Bis die Packung zu Ende ist, antwortete er mit einem freundlichen Lächeln und schob mich durch die schon offene Tür. Von dieser neuen Auskunft, dass man ein Antibiotikum tatsächlich zu Ende nehmen muss elektrisiert ging ich also wieder zu meinem Auto und freute mich das erste Mal am Tag, als ich rausfand, dass die Apotheke bei mir zu Hause Notdienst hatte und ich nicht nochmal ans andere Ende der Stadt fahren musste. Vor der Apotheke freute ich mich ein zweites Mal, als ich die Tabletten nachgezählt (12) und durch die Anzahl der täglichen angeordneten Einnahmen (3) geteilt hatte – juhuuuuu – nur vier Tage Antibiotikum. Ich würde an meinem Geburtstag bereits wieder fertig sein. Alles richtig gemacht, Glück im Unglück gehabt, scheiß auf die paar Nebenwirkungen.

Sonntagabend im Bett wurde mir allerdings klar, dass es wohl eher vier schwierige Tage werden würden. Ich hatte Sodbrennen von einem anderen Stern und eben solche Magenschmerzen. Vier Tage dachte ich tapfer. Nur vier Tage. Der nächste Tag verging und heute morgen freute ich mich beim Abzählen der Tabletten, dass ich Bergfest feiern konnte. Dachte ich da zumindest noch…

…denn heute war der Tag, an dem meine Hausärztin mein Bein kontrollieren sollte. Diese kippte nach der Ansicht des Beins und einem Blick auf das verordnete Medikament allerdings fast vom Stuhl und erklärte mir, was ich eigentlich tief im inneren meines Verstandes bereits gewusst hatte: Vier Tage Antibiotikum sind zu wenig und das Medikament ist sowieso nicht das richtige bei Borreliose. Also ging ich mit einem neuen Rezept raus und darf in 10 Tagen wieder zur Kontrolle kommen.

Meine Laune war damit endgültig am absoluten Nullpunkt angekommen. Sie erinnerte an den Ort an dem ich früher des Öfteren mit meinen Eltern im Urlaub war und an man einen Fahnenmast besichtigen konnte, an dem NN stand – der Nullpunkt, der Punk auf den man sich bezieht, wenn man Höhen über NN misst.

NN und ich stapften also durch den Supermarkt, um irgendetwas zu essen zu organisieren. Ich kam an den Zitronen vorbei und dachte an den Spruch mit der Limonade und in meinem Kopf ploppte die Frage auf, wie man eigentlich Limonade selbst herstellt und ob die Johannisbeeren, die üppig in unserem Garten wachsen, dabei irgendwie helfen könnten. Tja und so rettete ich den Tag…

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…mit Johannisbeer-Zitronen-Minz Limonade und selbst das von Paukenröhrchen und Freundeentzug geplagte Kind 2 freute sich ein ganz klein wenig mit.

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2 Gedanken zu „Dann mach Limonade daraus

  1. Das hört sich alles seeehr zitronig an… Ich wünsche euch allen baldige Besserung! Meine Erfahrung mit Notdiensten ist übrigens ähnlich… Ich war einmal mit Schmerzen beim Atmen dort, die vermutlich und Gott sei Dank „nur“ von Verspannungen herrührten. Der Arzt verstand kaum ein Wort deutsch und ich verklickerte ihm pantomimisch, was „Atmen“ ist. Er schrieb dann in die Diagnose für den Hausarzt: „Muss Baby tragen“ 🙂 Von meinem letzten Notdienstbesuch schrieb ich ja kürzlich im Blog… Ich hatte Nervenschmerzen im Brustbereich und bekam ein Hammermedikament in höchster Dosis. Meine Hausärztin wunderte sich im Nachhinein, dass ich damit morgens überhaupt noch morgens aus dem Bett gekommen bin. Seufz… Ich finde es absolut toll, dass wir hierzulande Tag und Nacht einen Arzt konsultieren können und zahlen nicht mal was dafür. Aber noch besser ist natürlich, man muss das nicht in Anspruch nehmen 😉 Liebe Grüße, Martha

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  2. Mit Borreliose ist nicht zu spaßen! Eine frische Borreliose kann zu 95% ausheilen.Wenn..das richtige Antibiotikum,in der richtigen Dosierung,in ausreichender Länge geben wird… (4 Wochen lang,4-5mg Doxyciclin pro kg/Körpergewicht,wenns denn Doxy sein muss) ansonsten ..naja kann halt üble Folgen haben,bis ans Lebensende.Aber ein Hoch auf die Ärztin die schonmal eine Wanderröte erkennt!

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