Wenn alles so viel wird – wie Mama für sich sorgen kann

Nicht nur der Mai hat sich in seiner ersten Woche wie ein Herbstmonat benommen, auch mein Körper tut so, als seien wir mitten drin in der dunklen, kalten und leicht depressiven Zeit. Ich war gerade 16 Tage am Stück krank. Einfach so. Alles fing mit einer Mandelentzündung an, die mich aus dem Nichts überraschte und sofort ausknockte. Dieser schloss sich dann ein undefinierbares Magen-Darm Leiden an, das entweder von der Kombi aus Schmerzmitteln und Antibiotika ausgelöst wurde, die ich eine Woche lang geschluckt habe oder ein Abklatsch des Infektes war, der hier sowieso durchs Haus ging. Als feste Nahrung gerade wieder begann zu schmecken, kratzte der Hals schon wieder, die Nase war zu und ich begann zu husten.

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Also hockte ich mit Salbeitee und Bonbons und dann mit Kamillentee und Zwieback und dann wieder Salbeitee und Nasenspülung drin. Trösten konnte mich nur die Tatsache, dass ich draußen überhaupt nichts verpasste. (Mal abgesehen von der Tatsache, dass April und November anscheinend geheiratet haben und ihr kleiner Sohn Mai letzte Woche getauft wurde…). Verstimmt, müde und angeschlagen begutachtete ich meine To-Do Liste und stellte fest, dass ich gerade nichts davon würde umsetzen können. Aber sie war eh zu lang gewesen, auch schon vorher.

Eigentlich wäre es klüger gewesen, die Mandelentzündung unter einer bis zur Nase hochgezogenen Bettdecke nur mit Salbeitee und Bonbons auszukurieren und die Finger vom Antibiotikum zu lassen. Damit hätte ich mir die anschließenden Magen- und Darmprobleme erspart und mein Immunsystem hätte ordentlich trainiert und wäre vielleicht auch stark genug gewesen, den nächsten Schub abzuwehren, der da schon gelauert hat. Aber eine Woche lang flach im Bett liegen? Nicht aufstehen, um die Kinder fertig für Schule und Kindergarten zu machen? Sie hinterher nicht abholen, kein Mittagessen kochen, keine Hausaufgaben nachsehen, nicht mit ihnen lesen, spielen oder reden, sie abends nicht mit ins Bett bringen? Mal ehrlich – wer von uns schafft das schon? Wer kann sich so gut organisieren, dass das funktioniert und wer kann vor allem dann auch wirklich im Bett bleiben, ganz egal, was passiert?

Und so arbeiten wir Mütter uns meistens irgendwie durch den Tag, puschen uns hier ein bisschen, suchen da ein bisschen nach einer Auszeit und schleppen mit uns rum, was uns so anfällt – und wisst ihr was?

DAS IST MIST!

Ein bedürfnisorientiertes Familienleben kann nur gelingen, wenn die Bedürfnisse aller im Auge behalten werden und dabei ist es sehr klug, wenn die Bedürfnisse von denjenigen, die den Laden schmeißen und hauptverantwortlich für ein gelingendes Familienleben sind, ihre Bedürfnisse besonders wichtig nehmen. Denn wenn wir nicht okay sind, kann der Rest auch nicht passen. Und glaubt mir, es ist einfacher, eine Woche leer von Verpflichtungen zu organisieren, als zwei oder drei Wochen zombiehaft durch den Familienalltag zu spuken und eigentlich keinem dabei gerecht zu werden.

Was sollten wir also tun, wenn wir merken, dass nichts mehr geht? Als allererstes sollte hier natürlich der Partner ins Spiel kommen und soviel Unterstützung leisten, wie nur irgendwie möglich. Da sich allerdings nicht jeder eine ganze Woche frei nehmen kann, kommen hier noch ein paar andere Ideen.

Aktiviert das Netzwerk

Jeder sollte eins haben. Ein paar Leute um einen herum, die man anrufen darf und die kommen und die Kinder abholen, die babysitten, Essen kochen oder tun, was so anfällt.

Weg mit dem Perfektionismus

Das Geschirr darf sich in der Küche stapeln. Staub darf liegen und es muss auch nicht um den Esstisch gekehrt werden, zumindest nicht, bevor der Partner von der Arbeit kommt und das übernehmen kann. Genauer gesagt muss gar nichts passieren, außer, dass ihr gesund werdet.

Weg mit falschen Glaubensätzen

Kinder vor dem TV oder dem Tablet zu parken, damit man seine Ruhe hat, das geht ja gar nicht, oder? Doch geht. Geht sogar ganz hervorragend und ist, anders als uns immer wieder von mahnenden Zeigefingern aller Art suggeriert wird, völlig in Ordnung. Besonders dann, wenn es in Ausnahmesituationen wie Krankheitsphasen der Eltern passiert. Genauso wie es okay ist, das Abendessen beim Pizzaservice zu bestellen, vom Fast-Food Laden mitbringen zu lassen oder aus der Kühltruhe zu nehmen.

Weg mit dem schlechten Gewissen

Das so einige Tage durchzuziehen, das bekommen wir ja vielleicht noch gerade so hin. Aber wie fühlen wir uns dabei? Mies – richtig mies! Und das ist schon wieder Mist, Ladys. Ein schlechtes Gewissen, also ein piekendes Gefühl in uns, das uns ständig zeigen will, dass das, was wir gerade tun, nicht in Ordnung ist, anderen schadet oder andere verletzt, ist unglaublich anstrengend. Die Kraft, die wir brauchen, um damit fertig zu werden, brauchen wir eigentlich, um wieder auf die Beine zu kommen. Also, weg damit! Keiner schadet irgendjemandem. Die Welt dreht sich weiter und zwar ganz hervorragend, wenn die Kinder eine Woche lang Tiefkühlkost und Fast Food gegessen haben und auch, wenn sie mehr Medien konsumiert haben, als auf irgendwelchen (zweifelhaft erhobenen) Skalen als gesund gilt. Ich schätze sogar, wird man sie irgendwann nach ihren schönsten Erlebnissen im Jahr 2017 fragen, könnte „die Woche, in der wir dauernd vor dem Fernseher Pommes essen durften“ unter die Top 10 gelangen.

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Ein Gedanke zu „Wenn alles so viel wird – wie Mama für sich sorgen kann

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