Das Gute sehen – im Alltag

Fällt es Euch auch manchmal so schwer? Das Gute im Alltag sehen, das erscheint an manchen Tagen eine ebenso große Herausforderung, wie das Gute in uns als Eltern zu sehen oder in unseren Kindern. Dabei ist es so wichtig.

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An manchen Tagen ist es leicht. Da tanze ich zusammen mit meinen Kindern durch mein Leben und habe das Gefühl, nichts kann mich aufhalten. Da habe ich meine großen Mama-Momente, schreibe nebenbei noch tolle Blogbeiträge und koche was ganz wundervolles.

Doch an anderen Tagen ist es schwer. Da möchte ich eigentlich schon morgens im Bett bleiben. Da verfluche ich den Wecker. Da möchte ich endlich mal wieder ruhige Nächte und Tage, an denen ich einfach nur ungestört sein kann. Da nehme ich wieder nur wahr, was nicht läuft. Da sehe ich nur den Staub, der Zentimeter dick auf den Regalen im Schlafzimmer liegt. Da sehe ich die Wäschetürme, die Denkmale meines eigenen Versagens bilden. Da sehe ich das Chaos in den Kinderzimmern und die kleinen alltäglichen Streitereien.

Um diese Jahreszeit fällt es mir immer besonders schwer, das Gute zu sehen. Wenn der Winter einfach kein Ende nehmen will und der Himmel ständig nur grau ist. Wenn die Tage zwar länger werden, aber irgendwie nicht heller. Wenn in mir alles nach Sonnenstrahlen und Frühling schreit und draußen einfach noch Winter ist. Wenn meine Reserven, die ich im Spätsommer versucht habe anzulegen, langsam zu Ende gehen, dann sehe ich nur noch das Graue, das Dunkle, das, was nicht schön ist. Dann möchte ich nur noch schlafen, alleine sein, mir die Decke über den Kopf ziehen.

Dann sehe ich nicht, dass die Kinder so süß aussehen, wenn sie mit strahlenden Gesichtern und roten Bäckchen von draußen aus der Kälte rein ins warme Haus kommen. Dann sehe ich nicht, wie schön unser gemütliches Zuhause in all seinem Chaos trotzdem ist. Dann sehe ich nicht, dass unser Familienzimmer den Kindern so unglaublich viel Freiheit und Raum zur Kreativität bietet und dass unser peinliches altes Sofa ein wundervolles Trampolin ist. Dann sehe ich nicht, dass ich uns genau die Villa Kunterbunt geschaffen habe, die ich immer haben wollte.

Ich sehe dann nur das, was ich nicht schaffe. Was bei mir anders ist, als bei anderen. Ich sehe meine Alltag dann nur als riesengroßen Berg, den ich niemals bewältigen kann. Ich sehe dann nur, was liegen bleibt – und es bleibt immer etwas liegen.

Ich sehe dann nur die Defizite in meinem Leben. Ich sehe nicht, dass ich ein wundervolles Privileg habe, weil ich diese spannende Ausbildung machen darf, ich sehe nur, dass ich nicht gut hinterher komme mit dem Lernstoff und dass ich, im Unterschied zu vielen meiner Kolleginnen, noch nicht selbst berate und dazu im Moment auch gar keinen Platz in meinem Leben habe.

Ich sehe dann nur die vielen ehrenamtlichen Verpflichtungen, die ich mir aufgehalst habe und nicht, dass genau diese mein Leben so unglaublich erfüllt machen und dass ich dadurch mit wunderbaren Menschen zusammen sein darf.

Ich sehe dann nur die Dinge, die mein Mann nicht tut oder sagt und nicht die vielen 1000 Kleinigkeiten, mit denen er mir jeden Tag zeigt, dass er mein Tun wertschätzt und mich über alles liebt.

Dabei ist es der beste Weg, dem spätwinterlichen Stimmungstief zu entfliehen, sich eben einfach auf das Gute zu konzentrieren. Auf das, was schön ist. Auf die Freude im Chaos, die Begeisterung der Kinder für dieses und jenes. Das einfache, schlichte Essen, das viel zu spät auf dem Tisch steht, aber trotzdem allen schmeckt. Die Abende, die nicht besonders sind, aber Ruhe bieten. Die Kraniche, die derzeit den grauen Himmel überziehen und unmissverständlich klarstellen: Winter, deine Tage sind gezählt. Schon bald spüren wir wieder Sonne in unseren Gesichtern, schon bald wecken uns morgens wieder laute Vogelkonzerte, schon bald verbringen wir wieder jede freie Minute auf unserer Terrasse, pflanzen erste Samen und fahren ohne Jacke Fahrrad.

Es gibt so viel Gutes – selbst an den grausten und nassesten Februartagen. Kinderärmchen, laute, lustige Musik, wilde Tanzorgien im Keller, Rindfleischsuppe mit Mehlklößchen oder Käsespätzle, das Müsli zum Frühstück, die Vorfreude auf den nächsten Urlaub, der große Strauß Tulpen in der Vase oder der Moment, an dem ich ganz allein im Bett liege und aus dem Dachfenster schaue, ein paar Sterne durch die Wolken blitzen sehe und ein paar Minuten still sein kann.

Aber mehr noch  – wir sind gesund! Wir haben uns! Wir leben! Wir haben es gut, so richtig, richtig, richtig gut. Global gesehen gehören wir zu den privilegiertesten Menschen dieser Erde. Wir sind so reich gesegnet und beschenkt und eigentlich müssen wir nur genau hinschauen, um das Gute zu sehen. Ich lade Euch ein, in den nächsten Tagen einmal ganz genau hinzusehen und es wahrzunehmen – das Gute in Eurem Leben.

Eure Daniela

 

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2 Gedanken zu „Das Gute sehen – im Alltag

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