Familie werden

Um mich herum wimmelt es nur so von wunderschönen Nachrichten. Gleich mehrere Leute im Familien-, Bekannten- und Freundeskreis erwarten 2017 Nachwuchs. Kleine neue Erdenbürger sind unterwegs, die werdenden Mamas dürfen guter Hoffnung sein. Ich habe mich immer gefragt, wie es wohl sein wird, wenn um mich herum der erste große Schwangerschaftssturm ausbricht, bei dem ich nicht dabei bin. Denn bisher war ich ja eigentlich immer die mit dem Kugelbauch und die anderen sahen mir dabei zu. Heute ist es umgekehrt – und ich finde es wunderschön.

Babys sind unterwegs und aus Paaren werden Familien, aus Familien größere Familien. Mittendrin ich – und diesmal nur als Zuschauerin. Da wird es Zeit, dass ich einmal einen Brief schreibe. Ich schreibe ihn an meine Herzensfreundin, doch sie bekommt ihn nur stellvertetend, in Wirklichkeit ist er für all die da draußen, die gerade guter Hoffnung sind. Für all diejenigen unter euch, die sich ins Abenteuer Familie stürzen wollen – und auch für die, die das nur planen und vielleicht noch nicht in freudiger Erwartung sind. 

Liebste Herzensfreundin,

nun kennen wir uns schon so lange. Du bist bereits so viele Wege mit mir gegangen, hast in so vielen wichtigen Momenten neben mir gesessen und so manches Mal meine Hand gehalten. Du warst da, wann immer ich dich gebraucht habe. Du warst eine von denen, die ich nicht verloren habe, als mein Leben auf einmal völlig Kopf stand, als aus der unabhängigen, chaotischen Partymaus, die ich einst war, plötzlich ein echtes Muttertier wurde. Du hast mir Schokokuchen gebracht, als meine Nerven blank lagen. Du hast auf meinem kalten und dreckigen Schlafzimmerboden gehockt und mit mir geredet, als das Baby darauf bestand, liegend im Bett gestillt zu werden. Du hast all meine Kinder getragen, damit ich auch mal eine Hand frei hatte und ich glaube, ich kann behaupten, dass du sie alle drei so liebst, als gehörten sie zu deiner Familie. Und weißt du was? Ich liebe dein ungeborenes Kind jetzt bereits genauso.
Ich schrieb dir heute, dass ich mich für dich freue, dass du all das erleben darfst, was ich nun schon so lange kenne. Die vielen kleinen Wunder der Schwangerschaft, der Geburt und des Alltags mit Kindern. Und so ist es. Und doch hört sich das jetzt alles sehr glorifiziert an, doch das soll es nicht sein.

Nein, schwanger sein, ein Kind bekommen und es ins Leben begleiten, das ist selbstverständlich kein endlos schöner Spaziergang bei Sonnenschein über Blumenwiesen. Dazu gehören auch harte Zeiten, anstrengende Zeiten, Zeiten in denen du weder ein noch aus weißt. Zeiten in denen dieser kleine Mensch alles auf die Probe stellt – deine Beziehung, deine Familie, deine Freundschaften. Zeiten, in denen du Entscheidungen treffen wirst, mit denen du es auf einmal keinem mehr recht machen kannst.

Du willst wieder arbeiten? Wie kannst du nur?

Du bleibst zu Hause? Geht heute jawohl gar nicht mehr!

Du willst nicht stillen? Das ist das Letzte!

Du stillst länger als 12 Monate? Mit dir stimmt doch was nicht!

Du impfst dein Kind? Das ist Körperverletzung.

Du impfst dein Kind nicht? Das ist Körperverletzung.

Du schläfst im Familienbett? Igitt und der Sex?

Du hast ein extra Kinderbett? Wie gefühllos von dir!

Ich könnte die Reihe endlos fortsetzen und glaube ja nicht, dass das erst mit der Geburt deines Kindes anfängt, nein, allein bis jetzt hast du wahrscheinlich schon 1000 Fehler begangen.

In Wahrheit, da bin ich mir sicher, wirst du das ganz toll machen – und dafür gibt es einen Grund: Du trägst all die Voraussetzung in dir, die du brauchst, um es toll zu machen. Wie jede Mutter dieser Welt bist auch du voll bis oben hin mit allem, was dein Baby braucht. Wenn ich dir einen einzigen Rat mit auf die Reise ins Mutterleben geben darf, dann diesen: Lass nicht zu, dass gut gemeinte Ratschläge, angstmachende, plakative Sätze oder augenscheinliche Wahrheiten das überlagern, was du tief in dir trägst. Damit das klappt, darfst du gern auch all das ignorieren, was ich zu diesem Thema zu sagen habe, denn du bist die Expertin für dein Kind und dein Leben. Du bist in diesem Bereich kompetenter als ich oder irgendjemand anders je sein könnte.

Stürz dich ins Abenteuer Familienleben. Trau dich deinem Herzen zu folgen, befrage den Verstand, wenn es unbedingt nötig ist und sei dir sicher, Familie leben ist überlebbar – habe ich zumindest mal gehört.

Deine Daniela

 

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