Freitagspizza am 21.20.2016

Überraschend entspannt war diese Woche! Es war eine Woche mit Kuschelzeit auf der Couch und mit viel Gelegenheit, meine neuen Kuschelsocken anzuziehen, die die beste Freundin mir gestrickt hat. (Falls ihr sehen wollt, was sie noch so strickt, schaut doch mal hier vorbei).

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Was nicht bedeutet, dass es diese Woche immer einfach war. Menschen, die ich liebe, geht es schlecht. Jemand aus meiner Familie hatte eine schwere, eine sehr schwere OP – die Nerven lagen zwischendurch blank. Und manchmal ist die schönste Nachricht eine ungelenke WhatsApp, auf der normalste steht – weil es bedeutet, dass jemand sein Handy zurück hat – und von der Intensivstation auf die Normalstation durfte.

Diese Woche hatte viel mit Annehmen zutun. Das Leben annehmen, wie es ist. Denn sind wir ehrlich, ich kann noch ein Dutzend Bücher über den heiligen Alltag rezensieren, ich kann noch 100 Beiträge hier oder drüben schreiben, die davon handeln, dass es okay ist, einfach nur Mutter zu sein. Wenn mein Kopf und mein Herz es nicht annehmen, dann hilft es mir persönlich wenig.

In dieser Woche musste ich annehmen. Es ging nicht anders. Es war niemand da, der hätte auf die Kinder aufpassen können. Es sind Ferien. Sie sind zu Hause, 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche – ALLE. Das hätte mich stressen können. Das hätte mich, gepaart mit den emotionalen Belastungen, in die Knie zwingen können. Hat es aber nicht. Irgendwann diese Woche, mitten im ganz normalen Wahnsinn, hatte ich das Schlüsselerlebnis. Was ich hier tue ist wertvoll, auch wenn es nicht danach aussieht. Ich muss die Bäder nicht blitzsauber haben, keine Kinderzimmer in Schöner-Wohnen Ateliers verwandeln, keine aufwendige Herbstdeko haben. Ich muss meinen Blog nicht zwanghaft mehrmals die Woche befüllen, um wichtig und anerkannt zu sein. Ich muss meine berufliche Zukunft nicht schon wieder panisch vorantreiben, nachdem ich doch gerade erst aus dem Hamsterrad ausgestiegen bin. Es reicht, wenn ich Mama bin, Mama von meinen drei Kindern. Es reicht völlig aus, die Dinge zutun, die hier zu Hause anfallen. Ihnen Frühstück machen, ihnen beim Duschen oder Baden zu helfen, Finger- und Fußnägel zu schneiden, Haare zu entknoten, vorlesen, Geschichten zu erzählen, Schuhe mit ihnen kaufen. Es ist wertvoll, für sie da zu sein, ihre Geschichten zu hören, ihre Fragen zu beantworten. Genau das ist mein Leben – ich wechsele volle Windeln, ich tröste und streichele und bepuste Beulen und aufgeschlagene Knie. Ich spiele mit ihnen im Garten, wir laufen durch den Regen und ich koche warmen Tee und brate ihnen Pfannkuchen zum Abendbrot. Wie so `ne Mami halt. Und hey, genau das bin ich.

Was ist eigentlich mit mir los, dass ich immer glaube, ich müsste unbedingt mehr sein, als das? Dass ich glaube, ich müsste nebenbei noch Bücher schreiben, Alltagsblogs zu Hochglanzseiten umbauen, eine Beratungspraxis einrichten, bevor ich überhaupt mit der Ausbildung fertig bin? Ich habe dieses „Du-kannst-trotz-Kindern-alles-schaffen“ Mantra viel zu lange in meinem Kopf abgespult und ich habe danach gelebt, auch wenn mein Herz schon lange ganz laut NEIN geschrien hat. Mama sein, das schien für mich nie zu genügen, das schien nie dem Bild zu entsprechen, das ich von mir hatte. Dabei ist es tief im Herzen schon immer genau das gewesen, was ich sein wollte. Was macht unsere Gesellschaft eigentlich mit uns Frauen, mit uns Müttern? Wieso dürfen wir nicht einfach sein, was wir sind und uns eine Weile lang damit begnügen, weil es wertvoll ist, weil es wichtig ist?

Tja und was bedeutet das jetzt? Wird dieser Blog geschlossen? Keine Angst, meine drei Leser, das passiert so schnell nicht. Die Bloggerei ist zu wichtig für mich. Breche ich meine Ausbildung ab? Nein, auf keinen Fall, sie macht zu viel Spaß, gibt mir zu viele wertvolle Impulse mit auf dem Weg und sie hat ja auch ein bisschen Geld gekostet. Was sich dauerhaft ändern muss, ist die Struktur in meinem Alltag. Ich kann nicht alles in einen Tag packen. Ich kann nicht schreiben, während drei Kinder um mich herum wuseln. Ich kann nicht auf der Terrasse sitzen und Texte lesen, während sie im Garten spielen. Ich kann nicht scheinbar entspannt neben ihnen her arbeiten. Sie haben Priorität in meinem Leben. Wenn sie da sind, kann ich nicht bloggen, nicht lernen, nichts für mich lesen, ja nicht mal in Ruhe einen Gedanken verfolgen. Die Versuche, so zu leben, haben mich gestresst. Sie haben mich unruhig und unzufrieden gemacht. Sie haben für schlechte Stimmung gesorgt, sie haben Kraft gekostet.

Es ist eindeutig. Der Blog muss warten. Die Texte müssen warten, mein Buchprojekt muss warten. Für all das ist dann Raum, wenn die Kinder in der Schule, der Kita oder bei den Großeltern sind. Abends, wenn sie schlafen, mittags, wenn eins schläft und die anderen ihre Medienzeit haben, morgens, wenn ich vor allen anderen wach bin. Das ist nicht viel, aber es  muss genügen. Alles andere funktioniert für uns nicht, alles andere ist die große Multitasking-Lüge, die uns Frauen überfordert, die uns unglücklich macht, die uns krank macht. Das bedeutet auch, dass dieser Blog zu Ferienzeiten nicht immer so regelmäßig befüllt wird. Es bedeutet, dass ich für alles andere vielleicht etwas länger brauche und das ab und zu etwas nicht so perfekt sein wird – und es bedeutet, dass ich trotzdem entspannt bin. Zumindest, wenn ich es annehme!

Gibt es heute eigentlich auch Pizza? Aber ja doch! Sogar selbst gemacht. Apfel, Schinken, Gorgonzola und normaler Käse – und das natürlich vom Grill. Auch auf die Gefahr hin, dass der Grillmeister dazu einen Glühwein trinken muss.

Leute, es ist Herbst!

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Ein Gedanke zu „Freitagspizza am 21.20.2016

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