Heiliger Alltag – eine Buchbesprechung

„Es gab und gibt diese großen Glaubensmomente außerhalb meines Alltags: Träume, in denen Gott zu mir redet. Momente, in denen ich so überwältigt bin, dass ich hemmungslos in mein Taschentuch heule. Berührungen vom Heiligen Geist, die heilen und verändern.

In dunklen Momenten kehre ich dahin zurück. Und hole mir daraus Kraft und Hoffnung.

Aber mein Leben und Lieben findet nicht im permanenten Scheinwerferlicht eines hippen Gottesdienstes statt, sondern im mittelmäßigen Licht eines normalen Tages. Aufstehen, müde sein, Zähne putzen, Tampons kaufen, Kinder versorgen, Essen kochen, ein Buch lesen, ins Bett gehen.

Der Stoff, aus dem mein Leben gewebt ist. Der Schleifsand, der mich formt. Heiliger Boden, auf dem ich wachse.“

(Veronika Smoor, Heiliger Alltag, S. 12-13)

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Am Samstag vor einer Woche hatte ich einen dieser großen Glaubensmomente – eine dieser Berührungen, die mich überwältigt haben und von denen ich in dunklen Stunden zehren möchte. In der kleinen Kirche meines Dorfes gaben zwei Musiker aus England ein Lobpreiskonzert. Ich hatte mir vorher nicht ausgemalt, dass man inmitten einer vollen Kirche bei unendlich lauter und rockiger Anbetungsmusik eine so intensive Begegnung mit Gott haben kann.

Am nächsten Tag torkelte ich mit einer  Mischung aus melancholischem Nachspüren, Übermüdung und spiritueller Überflutung debil friedlich Grinsend durch meinen Vormittag. Gegen Mittag folgte jedoch das, was bei mir immer auf die ganz großen Momente im Leben folgt – eine ordentliche Katerstimmung. So intensiv das Erlebnis auch war, so wenig hatte es mit meinem eigenen Alltag zutun und dieser lag nur noch wenige Stunden entfernt in Form eines Montagmorgens vor mir. Gedrückt und erschöpft lies ich mich in den Terrassenstuhl plumpsen und gönnte mir etwas Lesezeit. Was für ein Glück, dass Veronika Smoors „Heiliger Alltag – Zwischen den Töpfen und Pfannen Gott begegnen“ schon bereit lag.

Dieses Buch wurde für Momente wie diesen geschrieben – und für alle anderen Momente auch!

Zunächst war ich überrascht, als ich das Buch zum ersten Mal in der Hand hielt – ich hatte es mir größer vorgestellt. Es hat aber nur in etwa die Größe eines kleinen DIN A 6 Heftes und passt somit bequem in jede Handtasche und lässt sich prima in allen Situationen in der übermüdeten Hand halten.

Wer Veronika kennt oder ihrem Blog folgt weiß, dass sie immer versucht ist, das Besondere im Alltäglichen zu finden und ihren Alltag, mit den ganz normalen Tätigkeiten zu ihrer Berufung gemacht hat. Genau darum geht es in ihrem neuen Buch.

Heiliger Alltag erzählt in 23 kurzen Kapiteln Alltagsgeschichten – nicht aufgehübscht, nicht verklärt, nicht besonders. Sie handeln von einem ganz normalen Frauenalltag, wie er in Deutschland tausendfach und mehr gelebt wird. Und genau das macht das Buch so besonders, denn es sind die Geschichten, die sonst niemand erzählt. Selbst die meisten Mama-Blogs versuchen mittlerweile, den Mutter-Alltag auf B-Promi Niveau zu verklären, erzählen von den ganz großen Kindermomenten, von hippen Modetrends oder aufwändigem Essen. Veronika Smoor brät derweil Pfannkuchen oder kocht Kürbissuppe. Sie nimmt uns mit, mit in ihr Badezimmer, wenn sie es morgens nach dem Aufwachen zum ersten Mal betritt, wenn sie der Welt ungeschminkt gegenüber tritt oder wenn sie abends die Erschöpfung eines durchschnittlichen Tages abwäscht. Wir gehen mit ihr in ihre unaufgeräumte Abstellkammer, auf ihr altes Sofa und in ihre lebendige Küche. Wir jäten zusammen Unkraut – das in ihrem Garten und das in ihrem Leben und wir teilen sogar das Krankenlager.

Veronika gibt diesen Alltagsmomenten, die wir alle kennen, die wir oft nicht beachten und die wir meistens geringschätzen, eine spirituelle Tiefe, die mit jedem Lobpreiskonzert mithalten kann.  Sie schafft es, dass man als Leserin ganz große Momente in völligen Banalitäten findet. Was sie schreibt, hat mich oft zum Lachen gebracht und manchmal zum Weinen – und ganz oft hat es mich einfach nur extrem erleichtert. Die Erzählungen sind nicht nur nah am Leben, sie sind das Leben und zwar eins, das wir alle kennen. Es sind die Geschichten einer Mutter, die ihren Platz im Leben gefunden hat und die Mut macht, Mut das eigene Leben ebenfalls so anzunehmen wie es ist: Die Aneinanderreihung von Banalitäten, von umgeworfenen Trinkbechern, von Rotznasen und von unsortierter Wäsche. Es anzunehmen als die 95 Prozent des großen Lebens, das wir geschenkt bekommen haben.

Es ist ein Buch zum Entspannen und zum Loslassen und ein Buch, das hilft, Gott ganz neu im eigenen Alltag zu finden. Es ist ein Buch für Frauen. Es ist ein Buch über Wertschätzung. Es ist ein Buch über das Annehmen und Genießen. Es ist ein Buch wider den Perfektionismus und wider den Zeitgeist, der uns Frauen suggeriert, wir müssten in unserem Leben mindestens einen Vorstandsposten erreichen, um wertvoll zu sein.

Heiliger Alltag – Zwischen Töpfen und Pfannen Gott begegnen ist im SCM Verlag erschienen und hat 175 Seiten.  Das Buch ist meine große Leseempfehlung für den Herbst und zwar nicht nur für Leute, die Gott im Alltag suchen, sondern für alle Frauen, die einmal wieder erfahren müssen, wie wertvoll sie in ihrer Alltäglichkeit und Mittelmäßigkeit sind.

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2 Gedanken zu „Heiliger Alltag – eine Buchbesprechung

  1. Pingback: Freitagspizza am 21.20.2016 | Eltern sein – Familie leben

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