Das Wunschgewicht und das Wohlfühlgewicht

Heute geht es mal um uns Mamas – besser gesagt um Mamas Körper.

Ist es nicht faszinierend, dass dieser immer wieder ein Thema ist? Wenn Frauen Kinder gebären und vor der Entscheidung stehen, ob sie stillen wollen oder nicht, kommen auch immer wieder Fragen darüber auf, wie dies den Körper verändern würde. Vielen Frauen ist es sehr wichtig, dass sie nach der Entbindung schnell wieder ihr Ausgangsgewicht erreicht haben und manchmal, ja manchmal lese ich sogar von Frauen, die eine Schwangerschaft gänzlich ablehnen, weil sie Angst vor den körperlichen Folgen haben. Weiterlesen

Freitagspizza am 28.10.2016

Und nun kommt das Zwischenfazit dieser Woche und es ist ein ganz anderes, als in den letzten, stressigen Wochen. Diesmal braucht es keinen Satz, um die Woche zu fassen, nein es reicht ein Wort:

Glück

Unser Familienleben war extrem entschlackt. Mein Mann hat Urlaub, meine Weiterbildung pausiert, die Kinder haben Ferien und wir hatten keine, ja wirklich gar keine Termine. Dafür Zeit – Zeit zum Basteln.

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Zeit, ein Kinderzimmer umzugestalten.

Zeit für Krankenbesuche.

Zeit für Zweisamkeit.

Zeit für gute Gespräche.

Zeit zum Lesen.

Zeit zum Austauschen.

Es war nicht alles perfekt. Unsere Sorgen sind nicht weggewischt, es sind, im Gegenteil, neue dazu gekommen. Außerdem war die Woche teuer, denn es sind gleichzeitig Trockner und ebook-Reader kaputt gegangen – und beides brauchen wir. Es hätte also Möglichkeiten zum Klagen gegeben. Aber manchmal ist es eine Frage der Perspektive – und meine liegt heute auf dem Glück.

Nur, was heute Abend auf den Stein oder vielleicht diesmal wirklich aufs Blech kommt, davon habe ich noch keine Ahnung. In der Küche steht ein Kürbis, der verarbeitet werden will und im Keller sind Kartoffeln. Ich habe ein paar Ideen, aber was es wird, das muss ich noch besprechen – und ich verrate es euch dann nächste Woche, wenn ich euch die erste Freitagspizza im November präsentiere.

Wenn die Wand dünner wird

Von Halloween bis Totensonntag

Eigentlich wollte ich heute darüber schreiben, wie wir als christliche Familien damit umgehen können, wenn unsere Kinder am nächsten Montag Halloween feiern wollen. Ich wollte Euch eigentlich aufzeigen, wie ich dazu stehe, dass ich mit der Süßes-oder-Saures-Tradition wenig anfangen kann. Ich wollte schreiben, dass es mich Jahr für Jahr ein wenig ärgert, dass immer mehr Kinder diesen Hype mitmachen, aber die nordhessische Tradition des Clowesabends dagegen ausstirbt. Wahrscheinlich hätte ich dann für alle Menschen im Rest der Republik erklären müssen, dass Clowesabend der Brauch ist, am Abend des Nikolaustages verkleidet von Haus zu Haus zu gehen, den Menschen witzige Segenswünsche zu überbringen und dafür Süßigkeiten zu bekommen. Ich hätte berichtet, wie ich an jedem  6. Dezember trotzig eine Schüssel mit Süßigkeiten neben die Haustür stelle und warte, obwohl ich weiß, dass niemand mehr kommt und wie ich eben diesen Süßkram dann spätestens ab 21 Uhr betrübt selbst verspeise. Ich hätte dann weiter ausgeführt, warum ich Euch trotz alle dem zu einem gelassenen Umgang mit Halloween rate, hätte die Herkunft dieses Festes erklärt und Euch am Ende gebeichtet, dass ich zwar dem Süßigkeitensammeln an diesem Tag so gar nichts abgewinnen kann, mich aber unglaublich gern gruselig verkleide und auch  deshalb in den vergangenen beiden Jahren eine Gruselparty für meine Kinder geschmissen habe. Aufgrund meiner protestantischen Sozialisation hätte ich dann noch irgendwie und irgendwo das Wort Reformationstag in diesem Text unterbringen müssen, und am Ende wäre wahrscheinlich ein mehr oder weniger gelungenes Konstrukt dabei heraus gekommen, an dem sich einige gefreut und andere gerieben hätten. Weiterlesen

Freitagspizza am 21.20.2016

Überraschend entspannt war diese Woche! Es war eine Woche mit Kuschelzeit auf der Couch und mit viel Gelegenheit, meine neuen Kuschelsocken anzuziehen, die die beste Freundin mir gestrickt hat. (Falls ihr sehen wollt, was sie noch so strickt, schaut doch mal hier vorbei).

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Was nicht bedeutet, dass es diese Woche immer einfach war. Menschen, die ich liebe, geht es schlecht. Jemand aus meiner Familie hatte eine schwere, eine sehr schwere OP – die Nerven lagen zwischendurch blank. Und manchmal ist die schönste Nachricht eine ungelenke WhatsApp, auf der normalste steht – weil es bedeutet, dass jemand sein Handy zurück hat – und von der Intensivstation auf die Normalstation durfte.

Diese Woche hatte viel mit Annehmen zutun. Das Leben annehmen, wie es ist. Denn sind wir ehrlich, ich kann noch ein Dutzend Bücher über den heiligen Alltag rezensieren, ich kann noch 100 Beiträge hier oder drüben schreiben, die davon handeln, dass es okay ist, einfach nur Mutter zu sein. Wenn mein Kopf und mein Herz es nicht annehmen, dann hilft es mir persönlich wenig.

In dieser Woche musste ich annehmen. Es ging nicht anders. Es war niemand da, der hätte auf die Kinder aufpassen können. Es sind Ferien. Sie sind zu Hause, 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche – ALLE. Das hätte mich stressen können. Das hätte mich, gepaart mit den emotionalen Belastungen, in die Knie zwingen können. Hat es aber nicht. Irgendwann diese Woche, mitten im ganz normalen Wahnsinn, hatte ich das Schlüsselerlebnis. Was ich hier tue ist wertvoll, auch wenn es nicht danach aussieht. Ich muss die Bäder nicht blitzsauber haben, keine Kinderzimmer in Schöner-Wohnen Ateliers verwandeln, keine aufwendige Herbstdeko haben. Ich muss meinen Blog nicht zwanghaft mehrmals die Woche befüllen, um wichtig und anerkannt zu sein. Ich muss meine berufliche Zukunft nicht schon wieder panisch vorantreiben, nachdem ich doch gerade erst aus dem Hamsterrad ausgestiegen bin. Es reicht, wenn ich Mama bin, Mama von meinen drei Kindern. Es reicht völlig aus, die Dinge zutun, die hier zu Hause anfallen. Ihnen Frühstück machen, ihnen beim Duschen oder Baden zu helfen, Finger- und Fußnägel zu schneiden, Haare zu entknoten, vorlesen, Geschichten zu erzählen, Schuhe mit ihnen kaufen. Es ist wertvoll, für sie da zu sein, ihre Geschichten zu hören, ihre Fragen zu beantworten. Genau das ist mein Leben – ich wechsele volle Windeln, ich tröste und streichele und bepuste Beulen und aufgeschlagene Knie. Ich spiele mit ihnen im Garten, wir laufen durch den Regen und ich koche warmen Tee und brate ihnen Pfannkuchen zum Abendbrot. Wie so `ne Mami halt. Und hey, genau das bin ich.

Was ist eigentlich mit mir los, dass ich immer glaube, ich müsste unbedingt mehr sein, als das? Dass ich glaube, ich müsste nebenbei noch Bücher schreiben, Alltagsblogs zu Hochglanzseiten umbauen, eine Beratungspraxis einrichten, bevor ich überhaupt mit der Ausbildung fertig bin? Ich habe dieses „Du-kannst-trotz-Kindern-alles-schaffen“ Mantra viel zu lange in meinem Kopf abgespult und ich habe danach gelebt, auch wenn mein Herz schon lange ganz laut NEIN geschrien hat. Mama sein, das schien für mich nie zu genügen, das schien nie dem Bild zu entsprechen, das ich von mir hatte. Dabei ist es tief im Herzen schon immer genau das gewesen, was ich sein wollte. Was macht unsere Gesellschaft eigentlich mit uns Frauen, mit uns Müttern? Wieso dürfen wir nicht einfach sein, was wir sind und uns eine Weile lang damit begnügen, weil es wertvoll ist, weil es wichtig ist?

Tja und was bedeutet das jetzt? Wird dieser Blog geschlossen? Keine Angst, meine drei Leser, das passiert so schnell nicht. Die Bloggerei ist zu wichtig für mich. Breche ich meine Ausbildung ab? Nein, auf keinen Fall, sie macht zu viel Spaß, gibt mir zu viele wertvolle Impulse mit auf dem Weg und sie hat ja auch ein bisschen Geld gekostet. Was sich dauerhaft ändern muss, ist die Struktur in meinem Alltag. Ich kann nicht alles in einen Tag packen. Ich kann nicht schreiben, während drei Kinder um mich herum wuseln. Ich kann nicht auf der Terrasse sitzen und Texte lesen, während sie im Garten spielen. Ich kann nicht scheinbar entspannt neben ihnen her arbeiten. Sie haben Priorität in meinem Leben. Wenn sie da sind, kann ich nicht bloggen, nicht lernen, nichts für mich lesen, ja nicht mal in Ruhe einen Gedanken verfolgen. Die Versuche, so zu leben, haben mich gestresst. Sie haben mich unruhig und unzufrieden gemacht. Sie haben für schlechte Stimmung gesorgt, sie haben Kraft gekostet.

Es ist eindeutig. Der Blog muss warten. Die Texte müssen warten, mein Buchprojekt muss warten. Für all das ist dann Raum, wenn die Kinder in der Schule, der Kita oder bei den Großeltern sind. Abends, wenn sie schlafen, mittags, wenn eins schläft und die anderen ihre Medienzeit haben, morgens, wenn ich vor allen anderen wach bin. Das ist nicht viel, aber es  muss genügen. Alles andere funktioniert für uns nicht, alles andere ist die große Multitasking-Lüge, die uns Frauen überfordert, die uns unglücklich macht, die uns krank macht. Das bedeutet auch, dass dieser Blog zu Ferienzeiten nicht immer so regelmäßig befüllt wird. Es bedeutet, dass ich für alles andere vielleicht etwas länger brauche und das ab und zu etwas nicht so perfekt sein wird – und es bedeutet, dass ich trotzdem entspannt bin. Zumindest, wenn ich es annehme!

Gibt es heute eigentlich auch Pizza? Aber ja doch! Sogar selbst gemacht. Apfel, Schinken, Gorgonzola und normaler Käse – und das natürlich vom Grill. Auch auf die Gefahr hin, dass der Grillmeister dazu einen Glühwein trinken muss.

Leute, es ist Herbst!

Loslassen in der Kindererziehung

War das nicht ein atemberaubender Mond gestern Abend? Ich war mit meinen beiden Großen noch im Auto unterwegs und dieser riesige, orangene Ball am Himmel, der so groß und so nah wirkte, verschlug uns schier die Sprache. Als wir vor unserem Haus angekommen waren, suchte ich gerade unsere Rucksäcke und Taschen zusammen und meine Kinder stiegen schon einmal aus und rannten um die Straßenecke – auf der Suche nach dem Mond. Leider hatten sie sich die falsche Ecke ausgesucht, doch das hatten sie noch nicht bemerkt. So standen sie suchend und diskutierend unter einer Laterne, als sich ihnen ein Auto näherte. Ich bekam nur mit, dass der Fahrer anhielt und meine Kinder ansprach. Ich wollte gerade wie eine Furie um die Ecke rennen und diesen Mann fragen, was ihm denn einfällt, einfach anzuhalten und kleine Kinder auf der Straße anzusprechen. In Gedanken sah ich mich schon den Vorfall bei der Polizei melden und auf Facebook posten und stellte mir das viral gehende Posting vor und die Hysterie, die es schüren würde. Zum Glück erkannte ich knapp vorher, dass der Autofahrer nur mein Nachbar war, der ebenfalls gerade mit seinen Kindern nach Hause kam. Ich dachte, die zwei seien allein hier, rief er mir zu, und wollte mal nachfragen, wo du bist. Alles gut, ich war nur noch am Auto, erklärte ich, wir wünschten uns einen schönen Abend und verschwanden in unsere Richtungen.

Wie wertvoll, dachte ich als erstes. Jemand, der meine Kinder kennt und sich wundert, wenn sie abends im Dunkeln allein an der Straßenecke stehen. Jemand, der nicht denkt, wird schon passen und weiterfährt oder gar „Die Olle da drüben kümmert sich ja mal wieder gar nicht um ihre Brut, aber mich geht’s ja nichts an.“ Nein, jemand der vorsichtshalber nachfragt und sich im Zweifel kümmern würde.

Moooooment mal, dachte ich als zweites. Was denkt der denn von mir? Glaubt der wirklich, ich würde meine Kinder abends im Dunkeln allein auf der Straße lassen? Wirke ich so verantwortungslos?

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Naja, sagte mein Mann, du traust unseren Kindern ja schon auch immer mal was zu. Stimmt irgendwie, dachte ich. Es kommt schon gelegentlich vor, dass Außenstehende sich ans Herz greifen, während ich scheinbar tiefenentspannt dasitze, beispielsweise wenn mein Kleinkind auf dem Kletterturm der Nachbarn spielt. In Diskussionen im Internet über die Frage, wie viel und wie weit Schulkinder schon ohne Aufsicht unterwegs sein dürfen, bin ich meistens die Vertreterin des free-range parentings. Ich traue meinen Kindern altersangemessen zu, kleine Wege allein zu erledigen und sich frei in einem abgesteckten Rahmen zu bewegen. Weiterlesen

Freitagspizza am 14.10.2016

Diese Woche lässt sich in einem Satz zusammenfassen

Die Freitagspizza wird bestellt. 

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Die Woche war wie erwartet dicht und grenzkompensiert. So gut, wie ich es mir letzte Woche überlegt hatte, habe ich irgendwie nicht für mich gesorgt. Der Terminkalender war zu voll und ich zu schlecht im Nein sagen. Hier eine kurze Besprechung, da noch schnell ein paar Zeilen für das Dorfblatt schreiben, hier vorbei schauen, dort kurz mal was abgeben, doch noch noch einen Spielbesuch abnicken. Dazu die Termine, die sowieso schon in unserem Kalender standen: Fußballtraining, ein Besuch bei meiner Oma, meine Fortbildung, ein Gespräch mit meiner Elternbeiratskollegin, der Spielkreis und der Schwimmkurs. Einzig das Kinderturnen, das haben wir gestern dann wirklich mal ausfallen lassen.

Heute durfte uns das große Kind um kurz nach halb 11 im Spielkreis besuchen, denn es war der letzte Schultag vor den Herbstferien. Herbstferien – das verspricht zumindest in sofern etwas Ruhe, dass dann ganz viele Termine einfach nicht stattfinden, die wir sonst in der Woche haben. Anderseits heißt es auch, dass noch ein weiteres Kind 24/7 daheim sein wird. Mal sehen, ob es unter diesen Umständen in der nächsten Woche besser klappt mit der Zeit für mich und der Ruhe.

So dicht und anstrengend und überladen die Woche auch war – ich bin trotzdem irgendwie durchgetanzt – gerade am Anfang. Ich war nämlich überglücklich und total erfüllt vom letzten Wochenende, genauer gesagt vom Sonntag. Zusammen mit meinen tollen Spielkreiskolleginnen habe ich ein Familienfest am Sonntagnachmittag organisiert und es war einfach nur wundervoll. Völlig überraschenderweise hat der Himmel uns strahlend sonniges Wetter geschenkt und Eltern und Kinder konnten alle unsere Angebote perfekt nutzen. Zu sehen, dass man gemeinsam etwas anpacken kann und so viel erreicht, wenn sich jeder einfach nur um ein paar Kleinigkeiten kümmert, das ist einfach schön und sehr motivierend.

Lass Liebe auf uns regnen

Als Eltern ein Paar bleiben


Laß Liebe auf uns regnen,
Laß es gießen und uns segnen
Laß uns immer neu begegne
Laß es immer, laß es immer so sein.
(Reinhard Mey, Lass liebe auf uns regnen)

Ja, ja, ich weiß. Reinhard Mey, ist jetzt wahrscheinlich nicht das, was die meisten von euch den ganzen Tag über laufen haben. Aber ab und zu höre ich persönlich ihn ganz gerne. Seine Texte bewegen mich häufig und immer wieder finde ich etwas bei ihm, was mich zum Nachdenken und ins Schreiben bringt.

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Lass Liebe auf uns regnen, lass es gießen und uns segnen, lass uns immer neu begegnen, lass es immer so sein. Dieser Text rührt mich. Besonders, weil man in der ersten Strophe des Liedes erfährt, dass es dabei nicht etwa um ein frisch verliebtes Paar geht, sondern um ein Silberpaar – um zwei Menschen, die sich 25 Jahre lieben. Die sich versprochen haben, mit einander alt zu werden und die es nun bald sind – und nun bittet der Mann die Frau, mit ihm noch älter zu werden. Weiterlesen

Fallobst

Herbstzeit ist Apfelzeit

In unserer Nachbarschaft wimmelt es von Apfelbäumen. Je nach Jahr tragen sie mal mehr und mal weniger und je nachdem, wie stürmisch es ist und wie viele Insekten sich tummeln und was sonst noch so zusammen kommt, fallen mehr oder weniger viele Äpfel vom Baum, bevor sie richtig reif sind bzw. bevor sie geerntet werden konnten.  Oft werden die Äpfel dann einfach zusammen gerecht und auf den Kompost geworfen. Das muss allerdings nicht sein. Auch vom Baum gefallenes Obst kann man noch wunderbar verwenden.

Auf dem riesigen Grundstück meines Nachbarn landen ziemlich viele Äpfel. Die ersten fallen meist schon im August und die letzten irgendwann Ende Oktober. Es kommt von seinen eigenen Bäumen, aber auch von zwei anderen, riesigen Bäumen, die direkt an der Grenze stehen. Er und ich haben eine Verabredung: alles was fällt, sammelt er ein und stellt es mir in Körben und Eimern vor die Tür, statt es auf den Kompost zu werfen. Ich mache die Feinauslese.

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Aus Fallobst Kompott kochen

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Freitagspizza am 07.10.2016

Eine Freitagspizza gabt es heute natürlich auch – vom Italiener. Die Kraft reicht heute irgendwie nicht für eine eigene. Eine Woche, die ich zur Hälfte allein mit den Kindern verbracht habe, und ein anstrengender Nachmittag haben mich geschlaucht.

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Unser Schwimmkurs am Freitagnachmittag löst bei mir gemischte Gefühle aus. Auf der einen Seite ist er toll, weil die Kinder in liebevoller Atmosphäre schwimmen lernen dürfen bzw. ihre Fähigkeit zu schwimmen festigen und ausbauen können. Dass das derzeit sogar innerhalb des selben Kurses funktioniert, ist extrem praktisch. Aber es ist wieder ein Termin mehr in unserer Woche und er reist ein Loch in meinen gemütlichen Wochenausklang. Statt Zeit mit den Kindern zu verbringen und die Pizza zu planen, schnappe ich sie, hetze zum Kurs, bespaße das Kleinkind während des Kurses, schaffe es nicht, mit ihnen dort zu duschen, brauche aber trotzdem ewig, bis sie trocken und angezogen wieder im Auto sitzen und muss sie zu Hause dann immer noch unter die Dusche schicken (und hinterher das Bad trocken legen).

Heute habe ich ein extrem überdrehtes und ein extrem weinerliches Kind vom Kurs mit nach Hause genommen. Außerdem ein armes Kleinkind, dass geduldig vierzig Minuten in der heißen Schwimmhalle geblieben ist und eingesehen hat, dass es nicht baden darf und das am Ende noch schlucken musste, dass es nicht einmal mehr auf den Spielplatz durfte. Das arme Kleinkind und das arme weinerliche Kind heulten also im Auto um die Wette, ich versuchte zu trösten und das überdrehte Kind sang mir dabei Quatschlieder vor. Bring Pizza von Fantastico mit! schrieb ich somit an meinen Mann, bevor ich den Motor startete.

Die Heimfahrt rettete mir übrigens ein netter Heißluftballon, der genau neben uns startete und den ganzen Weg über gut sichtbar für die Kinder neben uns her flog. Quatschlieder und Weinen verstummten und wir standen noch lange vor dem Haus und sahen dem Ballon nach, bis der zwischen den Wolken verschwand. Manchmal ist es so einfach!

Pizza zu bestellen, statt sie selbst zu machen, fällt mir schwer. Die Perfektionistin in mir verzieht jedes Mal sofort das Gesicht und zischt: Jetzt hast du schon einen Mixtopf und kriegst es trotzdem nicht geregelt? Glücklicherweise wird sie heute übertont. Von der Sprachnachricht einer Freundin. Ich finde es gut, dass du für dich sorgst, antwortete sie mir, als ich ihr gestern sagte, dass ich nicht mit ihr zusammen den St. Martins Gottesdienst planen werde, weil es gerade absolut nicht passt.

Für mich sorgen – ich glaube, das wird ein großes Thema im Oktober. Vieles wird diesen Monat anders laufen, als gewohnt. Ich werde mehr allein schaffen müssen, weniger Hilfe haben, statt dessen noch mehr Aufgaben. Ich funktioniere nicht gut, wenn ich mir keine Pausen gönne. Ich verliere mich dann schnell. Wenn das passiert, nütze ich niemandem mehr. Dann bin ich keine gute Bindungs- und Beziehungsperson mehr – keine gute Freundin, keine die sich herzensgern engagiert. Um gut für die anderen sorgen zu können, muss ich für mich sorgen. Vielleicht gibt es daher noch mehr Pizzen vom Italiener diesen Monat. Vielleicht sagen wir mal das Fußballtraining, das Kinderturnen oder das Schwimmen ab oder laden mal ein Besuchskind weniger ein. Kinder achtsam ins Leben begleiten bedeutet, achtsam mit sich selbst zu sein und sich ab und zu in den Mittelpunkt zu stellen.

Schule – wie die Bildungspanik uns lähmt

Ferien und Freizeit sind nicht mehr dasselbe

Bald sind Herbstferien – oder wie es treffender heißen müsste – unterrichtsfreie Zeit. Denn das, was ich eigentlich mal unter Ferien verstanden habe, hat mittlerweile herzlich wenig mit dem zutun, was viele Schüler heute während der freien Tage erleben. Die meisten Kinder stehen auch weiterhin jeden Morgen um halb sieben auf, um spätestens um halb acht durch die Türen irgendwelcher Institutionen zu gehen. Ausschlafen, Freunde treffen und die freie Zeit möglichst selbstbestimmt gestalten, das gehört oft leider nicht mehr zum Ferienalltag. Neben durchgetakteten Betreuungszeiten kommt aber vermehrt auch die Verlagerung der Schule nach Hause dazu. Eine Fülle von Hausaufgaben, nachzuarbeitender Stoff oder das Lernen für die nächste Klassenarbeit belasten vielerorts bereits den Familienalltag von Erst- oder Zweitklässlern. Der Gedanke, dass Kinder Freiräume, Kreativität und Ruhepausen brauchen, um wieder aufnahmefähig zu sein, scheint völlig in Vergessenheit zu geraten. Man kann ihn sich auch einfach gar nicht mehr leisten, denn die Vorgaben, die unsere Schulklassen erfüllen müssen, sind straff.

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Das Schulsystem ist veränderungsresistent

Abgesehen davon baden unsere Schüler täglich aus, dass Bildungspolitik auch weiterhin ein beliebtes Kampffeld für Ideologen aller Art ist. Um alle irgendwie zufrieden zu stellen, darf dann jeder einmal ran. Hier ein Reförmchen, da ein neuer didaktischer Wunderansatz und noch schnell ein bisschen neuer Wein in die alten Schläuche gefüllt. Bringt zwar alles gar nichts, sieht aber gut aus. Weiterlesen